Hanomag 2/10 PS – das Komissbrot vom Fließband

Die Redewendung zu diesem außergewöhnlichen Kleinwagen, der damals eher belächelt wurde, lautete eher spöttisch: “Ein bisschen Blech, ein bisschen Lack, fertig ist der Hanomag!” Und tatsächlich war es nicht viel Auto, was man da ab 1925 für sein Geld bekam. Besonders deutlich wird dies, wenn man die Front des Hanomag 2/10 PS betrachtet und feststellt, dass sich dort nur ein einziger, zentral angebrachter Scheinwerfer befindet, was für heutige Verhältnisse eher merkwürdig anmutet. Ein entsprechendes Gesetz, dass zwei Scheinwerfer vorschrieb, erging aber erst 1931.

Hanomag 2/10 KomissbrotSpartanisch ging es beim wegen seiner an das Brot erinnernden Karosserieform mit dem Spitznamen “Komissbrot” versehenen Kleinwagen auch in anderen Details weiter. So gab es aus Gründen der Stabilität nur eine Tür, die sich auf der Beifahrerseite befand. Diese wiederum befand sich links, denn der kleine Hanomag war rechtsgelenkt. Auch auf die sonst bei Fahrzeugen dieser Ära durchaus üblichen Anbauteile wie zum Beispiel Kotflügel und Trittbretter wurde zugunsten des Raumangebots verzichtet, was den 2/10 PS zum ersten bekannten Wagen weltweit in der Pontonform machte.

Die zurückhaltende Bauweise, die beim Hanomag übrigens ein weiteres Novum ist, denn er war der erste deutsche Kleinwagen, der in Fließbandarbeit entstand, sorgte dafür, dass der ganze zweisitzige Wagen ein  Leergewicht von nur rund 370 kg aufwies. Damit schaffte der Hanomag 2/10 PS mit seinem kleinen 502-ccm-Einzylinder-Viertaktmotor, der – wie es der Name schon vermuten lässt – 10 PS leistete, eine Höchstgeschwindigkeit von rund 60 km/h. Der Antrieb erfolgte mittels 3-Gang-Schaltung über eine Kette an das rechte Hinterrad. Der Verbrauch lag bei rund 4 Litern pro 100 Kilometer.

Es gab vier unterschiedliche Karosserievarianten, die allesamt Zweisitzer waren: eine Limousine, einen Roadster, ein Cabriolet und ein Landaulet. Diese kosteten bis zu 2.500 Reichsmark und bis 1928 wurden insgesamt 15.775 Stück produziert. Dennoch war die teurere Konkurrenz wesentlich erfolgreicher.

Heute ist das Angebot an Gebrauchtfahrzeugen verschwindend gering. Bei einer aktuellen Stichprobe im Internet konnte ich gar keinen Wagen finden. Eine Stichprobe direkt nach der Techno Classica 2011 förderte nur einen Treffer zu Tage und ich vermute, dass es sich um das hier gezeigte Fahrzeug handelt, das ich auf der Techno Classica fotografiert hatte. Der aufgerufene Preis lag bei 38.000 Euro – eine Menge Geld für so wenig Auto.

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