Volvo 164 – die schwedische Oberklasse

Nach der Mitte der 60er Jahre überlegte man sich beim schwedischen Autohersteller, ob die Zeit reif für einen großen Volvo mit Sechszylindermotor sei. Zwar sollte es ein eigenständiges Modell werden, zwecks Kostenersparnis griff man aber auf die Basis des kleineren Volvo 140 zurück. Man verlängerte einfach den Radstand, baute auf Basis des B20 Motors ein 3 Liter-Aggregat und zimmerte die entsprechend angepasste Karosserie des 140er darum. Um sich von diesem zu unterscheiden und um zu signalisieren, dass es sich beim Volvo 164 um ein Fahrzeug der Oberklasse handelt, gestaltete man die Front allerdings neu. Es gab einen schicken Kühlergrill und vier runde Scheinwerfer. Der Wagen sollte damit repräsentativ wirken und ich persönlich muss sagen, dass er mir damit fast schon zu britisch aussieht, was nun irgendwie nach einer Beleidigung klingt, aber gar nicht so gemeint ist.

Volvo 164Egal, weiter im Text: 1968 ging es mit der Produktion des 69er Modelljahres los. Der Volvo war toll ausgestattet, bot aber, wie man aufgrund des längeren Wagens vermuten könnte, leider kaum mehr Platz im Innenraum. Dieser wurde für den großen Motor benötigt. Dafür entschädigte das Interieur mit Annehmlichkeiten wie Ledersitzen, einer Klimaanlage und einem Schiebedach.

Der anfänglich angebotene Motor schöpfte aus 3 Litern Hubraum 130 PS, was den hiesigen Journalisten damals wohl zu wenig war, weshalb der Wagen in der Fachpresse ständig schlecht dargestellt wurde. Außerdem galt das Getriebe als nicht mehr zeitgemäß und mit der Automatik soff der Volvo 164 wohl ganz ordentlich. 1971 / 1972 erschien dann der Volvo 164 E mit Einspritzanlage, der immerhin 160 PS leistete. Damit war der Wagen nun endlich flotter unterwegs, schaffte den Sprint von 0 auf 100 km/h in unter 9 Sekunden und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von fast 200 km/h.

Im Laufe der Bauzeit gab es diverse Veränderungen wie zum Beispiel das Versenken der Türgriffe. auf einigen Märkten – so auch in Deutschland – war ab 1974 der Volvo 164 TE erhältlich, der mit einer noch reichhaltigeren Serienausstattung um die Gunst der Kunden kämpfte. In seinem letzten Jahr 1975, bevor er vom Volvo 264 abgelöst wurde, schrieb der 164 nochmals Geschichte, denn er war der erste Wagen, der serienmäßig mit einer durch eine Lambda-Sonde geregelten Benzineinspritzung und einen 3-Wege-Katalysator im Auspuffstrang ausgerüstet war.

Heute ist das Angebot hier in Deutschland eher gering, der Volvo 164 ein günstiger Einstieg in die schwedische Oldtimerszene. Die meisten Ersatzteile sind über entsprechende Fachhändler zu bekommen. Manche Teile, wie zum Beispiel die Nebelscheinwerfer, muss man sich bei Defekt allerdings gebraucht organisieren, da es diese nicht mehr gibt.

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