Kurz gefahren: Mercedes-Benz 500 SEL W 126

Ein leichter Tritt ins Kreuz, so lässt sich der Ruck am besten beschreiben, den es gibt, als ich den Wählhebel der betagten Automatik auf „D“ ziehe. Ich nehme den Fuß vom Bremspedal und zirkle das Schiff fast im Leerlauf ganz behutsam aus der Parklücke. Auf der Straße trete das Gaspedal nur ein wenig, um die Masse in Vortrieb zu versetzen; der Stern hebt sich. Oder das Heck senkt sich. Oder eine Mischung aus beidem.

Bewegung ist überhaupt ein Thema bei der betagteren, aber eigentlich zeitlosen S-Klasse der 80er Jahre. In der Kurve neigt sich die Sänfte zur Seite, dass man ein wenig den Seitenhalt modernen Gestühls vermisst. So lang es aber geradeaus geht, fühlt man sich wie in Omas Sessel. Diese Bequemlichkeit mag nicht so recht zum aggressiven Vorschub passen, den der Wagen auf Wunsch an den Tag legt. Immerhin ist es ein 500 SEL, der in der zweiten Serie und als Fahrzeug nach der Aktualisierung 1987 gebaut wurde ohne Katalysator 265 und mit kaum schwächere 252 PS leistet. Ob noch alle Pferdchen vorhanden sind, weiß ich nicht; gefühlt ist der Mercedes aber echt flott.

Eine weitere Bewegung ist in Kurven festzustellen. Die Limousine neigt sich ordentlich zur Seite, zu schnell um die Ecke bewegt kann der Hecktriebler auch schon mal zum Ausbrechen neigen. Sicherlich eine Sache der Gaspedalstellung am Scheitelpunkt. Was sich auch schnell bewegt ist die Tanknadel. Wird besagtes Gaspedal forsch zu Boden getreten, fällt die Nadel entsprechend schnell. Ein Tankstop ist also angesagt. Auf der folgenden Autobahnfahrt im Mittrolltempo hält sich der Verbrauch dann allerdings in Grenzen.

Sie ist und bleibt eines der erfolgreichsten Fahrzeuge der Oberklasse: die Mercedes-Benz S-Klasse der Baureihe 126, die weltweit erfolgreich war und von Filmstars, Firmenbossen und Staatsmännern gleichermaßen genutzt wurde. Selbst der Papst hatte eine (für seine speziellen Ansprüche umgebaute) S-Klasse.

Heute ist diese von 1979 bis 1991 in zwei Serien angebotene Oberklasselimousine in weiten Teilen mindestens ein Youngtimer, frühe Modelle bekommen sogar schon das begehrte H-Kennzeichen, was sich gerade bei den großen Motoren in Sachen KFZ-Steuer bemerkbar macht. Und Motoren gab es in der gesamten Bauzeit einige.

Zwei 500er.

Es gab Sechszylinder mit unterschiedlichem Hubraum von 2,6 über 2,8 bis hin zu 3 Litern Hubraum. Und es gab Achtzylinder in V-Form, die auf 3,8 oder 4,2 oder 5 oder sogar 5,6 Liter Hubraum kamen. Die Leistungsspanne reichte dabei von 156 PS im kleinen 280 S bis hin zu 300 PS im 560 ohne Katalysator. In den Exportversionen für die USA gab es sogar verschiedene Turbodiesel, die hier in Deutschland aber nie offiziell angeboten wurden.

Neben der normalen S-Klasse Limousine (W 126) gab es noch die verlängerten Versionen (V 126), deren Radstand zugunsten der Beinfreiheit im Fond um 14 cm verlängert wurde und die in der Typbezeichnung ein „L“ tragen, wie zum 500 SEL (das hier auf den Bildern zu sehende Modell). Außerdem gab es noch ein Coupé (C 126), das auf einem gekürzten Limousinenchassis aufbaut.

Lange Zeit gab es gar nicht so viele Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt, da vielen S-Klasse-Besitzern der Nachfolger nicht gefiel und sie einfach ihren 126er weiterfuhren. Dann kam die Zeit der niedrigen Preise, in denen die Mercedes W 126 einfach als alte Autos galten.

Mittlerweile ist die Baureihe aber immer beliebter und auch die Anerkennung als Young- bzw. Oldtimer in der entsprechenden Szene sorgt langsam wieder für steigende Preise. Wobei manche Menschen teils doch recht unverschämte Preise aufrufen, die sicherlich noch weit vom Markt entfernt sind. Auch hier gilt natürlich: die Ausstattung macht den Preis. Je länger die Liste der ab Werk (!) verbauten Optionen, desto höher ist auch der Preis, wenn Zustand und Laufleistung stimmen. Aber immer schön aufpassen, denn wo viel dran ist, kann auch viel kaputt gehen. Und die Preise für S-Klasse Ersatzteile und Reparaturen sind auch auf Oberklasse-Niveau.

Mir hat die Fahrt in dem Klassiker aus dem Jahr 1989 auf jeden Fall viel Freude bereitet. Der Blick über die lange Haube am Stern vorbei auf die Landstraße ist kaum zu toppen. Vielleicht passt so einer ganz gut in meine Garage. Ich muss mal messen gehen. Weitere Bilder findet ihr in der nachfolgenden Galerie:

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