Fremdgesichtet: Citroën Ami 6

Kürzlich erreichten mich die in diesem Beitrag verwandten Bilder. Doch was sehen wir hier? Für den so genannten kleinen Mann gab es den Citroën 2CV (also die Ente), für die Oberklasse kam nur die Göttin in Frage – der Citroën DS. Doch dazwischen klaffte in der damaligen Modellpalette des französischen Automobilherstellers eine Lücke. Es fehlte ein Modell in der Mittelklasse für diejenigen, denen die Ente zu primitiv und die DS zu teuer war. Und so feierte 1961 eine kleine Limousine ihre Premiere, der Citroën Ami 6 war geboren und spaltete das Volk in Sachen Design direkt in zwei Lager.

Citroën Ami 6 FrontKaum vorzustellen, dass sich für dieses merkwürdige Styling der Karosserie der gleiche Mann verantwortlich zeichnet, der auch schon den Citroën DS entworfen hatte. Allerdings muss man Designer Bertoni zu Gute halten, dass es vom damaligen Generaldirektor Bercot auch einen strammen Anforderungskatalog gab, der einerseits ein Mindestraumangebot vorsah, dabei aber die dafür üblichen Karosserieformen (Schrägheck und Kombi) von vornherein ausschloss. Heraus kam der Citroën Ami 6 mit einer merkwürdig mittig „einfallenden“ Motorhaube und einem ganz gewagten Heckdesign mit nach innen verlaufender Heckscheibe. Der Kofferraum ließ sich dabei zumindest bei den frühen Modellen nur von innen öffnen, was aber umgehend geändert wurde. 1964 erweiterte dann doch noch ein fünftüriger Kombi namens Break die Auswahl bei den Karosserievarianten.

Während der Wagen im Innenraum viele Elemente des Citroën DS aufgriff, basierte der Wagen technisch jedoch „nur“ auf der Ente, da zum Beispiel eine Hydropneumatik in dem Preissegment nicht zu realisieren gewesen wäre. So kam die konventionelle Federung des 2CV zum Einsatz, die aber an den schwereren Wagen angepasst wurde. Genauso wie der ebenfalls aus der Ente stammende Motor, der im Ami 6 aus 602 ccm 19,5 DIN-PS schöpfte. Ab 1963 kam der Motor auf 24,5 PS und ab 1968 dank größerer Verdichtung und Registervergaser sogar auf 32 PS.

Citroën Ami 6 weitBis 1969 wurde der Citroën Ami 6 gebaut und war aufgrund der soliden Technik trotz des eigenwilligen Designs einige Zeit lang das meistverkaufte Automobil Frankreichs. Hier in Deutschland hingegen waren und sind die Fahrzeuge nicht ganz so verbreitet und haben auch nicht den Kultstatus wie die kleineren und größeren Modelle aus dem Hause Citroën. Das und der Rost, der mit dem hauchdünnen Stahlblech keinerlei Mühe hatte, sorgen für einen hierzulande geringen Bestand und somit ist auch der Gebrauchtwagenmarkt dementsprechend überschaubar. Eigentlich schade, denn er stellt einen schönen Kontrast zum heutigen Einheitsdesign auf den Straßen dar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.