Gefahren: 1962 Crown Imperial

Ganz behutsam behandelt mein rechter Fuss das Gaspedal. Ganz langsam zirkle ich den Koloss aus der Halle. Ganz extrem scheinen die technischen Daten des in diesem Moment von mir gesteuerten Oldtimers zu sein: Bei 5,77 m Länge und gut 2,08 m Breite bringt es der Klassiker aus den USA auf ein Gewicht von stattlichen 2.120 kg. Wer nun glaubt, „ganz langsam“ sei damit zwangsläufig an der Tagesordnung, der irrt sich gewaltig. Für ausreichenden Vortrieb sorgt, typisch US-Car, ein V8-Motor, der in diesem Fall aus einem Hubraum von fast 6,8 Litern 340 PS schöpft. Sicherlich keine nach irgendeiner deutschen DIN-Norm ermittelte Leistungsangabe, aber dennoch ausreichend, um im Stand die Räder drehen zu lassen.

1962-imperial-schraeg-brunnenDoch das will man mit einem Fahrzeug dieser Art eigentlich gar nicht. Schließlich handelt es sich beim 1962 Crown Imperial um einen Straßenkreuzer der Oberklasse. Und außerdem steigt der Spritverbrauch dann ins Unermessliche. Und so führt mich mein erster Weg, nicht zuletzt aufgrund der im geliehenen Wagen nicht funktionierenden Tankanzeige, zur nahegelegenen Tankstelle. Nachdem viele Euro in wenig Benzin verwandelt wurden, traue ich mich, eine Strecke, die länger als 1 km ist, in Angriff zu nehmen.

Apropos „nicht funktionieren“: die Scheibenwischer verweigern ebenfalls ihren Dienst, so dass mein Blick des Öfteren nervös gen Himmel streift. Ansonsten genieße ich die Fahrt und beobachte lieber die Passanten. Interessanterweise schauen dem Imperial viel mehr Damen begeistert nach, was sicherlich an der weißen Lackierung und dem damit assoziiertem Hochzeitsauto liegt. Die Herren gucken meist erst, wenn sie den an der grünen Ampel beschleunigenden Achtzylinder hören, der im Stand nur gediegen vor sich hin blubbert.

1962-imperial-hinten-linksDie Dreigangautomatik, über Drucktasten am Armaturenbrett gesteuert, wechselt unauffällig die Gänge, während man auf einer sofaähnlichen Sitzbank das servounterstützte Lenkrad mit dem kleinen Finger bedienen kann. An das dem Alter des Klassikers geschuldete hohe Spiel der Lenkung hat man sich schnell gewöhnt. Ebenso an den in flotten Rechtskurven näher kommenden Beifahrer. Mangelnder Seitenhalt und glattes Leder sorgen über ein unfreiwilliges Rutschen des Passagiers über die vordere Sitzbank des Sechssitzers. Diese ist im 62er Crown Imperial in 6 Wegen verstellbar, was damals den puren Luxus darstellte.

Wer sich die ganze Zeit fragt, was Imperial für eine Marke ist, dem sei erklärt, dass es sich hierbei um die Oberklassemarke von Chrysler handelte. Ähnlich wie heutzutage Lexus das teurere Pendant von Toyota ist. Dementsprechend gut ausgestattet war der Wagen damals. Es gab Servobremsen und die erwähnte Lenkung, in der Ausstattungsvariante Crown (teurer als der damalige Imperial Custom) auch noch elektrische Fensterheber, eine elektrische Uhr und eine Mittelarmlehne. Optional waren zum Beispiel diverse Radios, getönte Scheiben und ein von innen verstellbarer Außenspiegel zu bekommen.

1962-imperial-seiteUnd wer sich nach diesen wenigen Fotos fragt, warum im der Wagen irgendwie bekannt vorkommt, der erinnert sich vielleicht an den Drag-on, über den ich vor einiger Zeit schrieb und dessen Grundlage zum Umbau ein 1962er Imperial ist. Mehr Bilder folgen in der Galerie unter diesem Beitrag. Mit diesen kann man dann mal vergleichen, wie massiv die Umbauten teilweise sind.

Auch diese Fahrt ging leider irgendwann vorbei und so gab es am Schluss noch ein wenig Zirkelei, um den Wagen an seinem angestammten Platz zu parken. Zeitlich passend, denn pünktlich beim Verlassen der Halle setzte der Regen ein, der mich im Imperial unfreiwillig hätte rechts ranfahren lassen. Nachfolgend gibt es noch Bilder aus diversen Perspektiven. Wie gefällt euch der Wagen?

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