Sitzprobe im Ferrari Dino 246 GTS

Voller Ehrfurcht versuche ich ganz vorsichtig aus dem Goldstück auszusteigen, nachdem mir der daneben stehende Herr, der mir die Sitzprobe ermöglicht hatte, den Wert des Wagens genannt hat. Zum Glück handelt es sich um die Targaversion des italienischen Sportwagens, was das gesamte Unterfangen etwas erleichtert. Als ich ohne etwas beschädigt zu haben selig neben dem Ferrari Dino 246 GTS stehe und hinab schaue, bin ich doch sehr erstaunt, dort hineingepasst zu haben. Immerhin bin ich 1,92 m groß, der Dino 246 weist aber gerade einmal eine Höhe von 1,12 m auf. Dafür sitzt man aber auch knapp über dem Boden. Natürlich ist er kein Raumwunder, schließlich sprechen wir hier über einen 40 Jahre alten Sportwagen.

1973 Ferrari Dino 246 GTS SeitenansichtAuf der letztjährigen Techno Classica in Essen konnte ich diese Sitzprobe vornehmen. Obwohl ich eigentlich auf den Spuren des TV-Detektivs Magnum in dem roten Flitzer daneben Platz nehmen wollte, landete ich dann im klassischen Ferrari aus dem Jahr 1973. Wer mich kennt, der weiß, dass ich dieses Jahr mag – so allgemein. Gebaut wurde der Ferrari Dino 246 GT (Gran Turismo) von 1969 bis 1974, das Targamodell GTS (Gran Turismo Spider) sogar erst ab 1972 und ebenfalls bis 1974. Zu den Produktionszahlen findet man leider unterschiedliche Angaben. So sollen vom geschlossenen GT 1.868 Stück gebaut worden sein, vom offenen GTS gar nur 1.180 bis 1.282 Stück – je nach Quelle. Selten sind sie damit allemal. Das merkt man auch, wenn man in einschlägigen Gebrauchtwagenbörsen danach sucht: das Angebot ist verschwindend gering.

Umso erstaunlicher, dass mir die von Pininfarina gezeichnete Karosserie kurze Zeit darauf bei einer Oldtimerrallye in der Eifel erneut begegnete. Diesmal ein GT in klassischem Rot. Und an irgendetwas erinnerte mich der Wagen aufgrund dieser Kombination von Form und Farbe: die Fernsehserie „Die Zwei“ mit Roger Moore und Tony Curtis. Letztgenannter fuhr in seiner Rolle als Danny Wilde einen roten 246 mit Kennzeichen aus Modena (der Wagen wurde von Ferrari für die Dreharbeiten zur Verfügung gestellt). Und diesen bewegte er immer durchaus flott.

1972 Ferrari Dino 246 GT vorne linksUnd dass, obwohl die Leistungsangabe heute kaum noch jemanden hinterm Ofen hervorlocken würde. In Zeiten, in denen Sportwagen 500 PS und mehr haben, wirken die 195 PS, die der Dino leistete, geradezu schwach. Doch der 2,4 Liter 6-Zylinder (daher die 246 in der Modellbezeichnung) sorgte damals für eine Beschleunigung aus dem Stand auf 100 km/h in rund 7,4 Sekunden, erst bei einer Höchstgeschwindigkeit von rund 235 km/h hörte die Tachonadel auf zu klettern. Keine schlechten Werte, die sicherlich auch dem geringen Gewicht von nur rund 1.100 kg geschuldet sind.

Der „kleine“ Sechszylinder ist übrigens der Grund dafür, dass die Bezeichnung nicht ganz richtig ist, denn da der Wagen keinen 12-Zylinder verbaut hate, war er offiziell kein Ferrari, was man leicht daran erkennt, Ferrari-Schriftzüge  noch -Logos am Dino 246 GT gab. Aber das ist nur eine kleine Geschichte am Rande, die heutige Sammler kaum vom Kauf abhalten wird, genügend „Kleingeld“ in der Tasche vorausgesetzt.

Weitere Bilder der beiden hier gezeigten Ferrari Dino 246 GT findet ihr in der nachfolgenden Galerie:

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