Triumph Stag – der gescheiterte SL-Konkurrent

Es ging ganz schnell: Als mir vor geraumer Zeit der auf dem ersten Bild zu sehende gelbe Roadster begegnete, blieben mir nur Sekunden, die Kamera zu zücken, einzuschalten und auf den Auslöser zu drücken. Ein Bild vom Heck war aufgrund des Verkehrsaufkommens nicht mehr drin. Während ich die meisten (älteren) Autos oft erkenne oder sie zumindest halbwegs einer Marke oder wenigstens einem Land zuordnen kann, hatte ich bei diesem Wagen echt Schwierigkeiten. Aufgrund der schlechten Bildqualität war dann zu Hause auch nicht mehr viel mit Zoomen und somit war auch kein Logo oder Schriftzug zu identifizieren. Also tippte ich verschiedene Dinge, die mir einfielen, bei Google ein – jedoch ohne Erfolg. Dann fiel mir etwas anfänglich schwachsinnig Erscheinendes ein.

Triumph Stag gelbIch startete die Detailsuche bei mobile.de, wählte als Fahrzeugtyp Cabrio / Roadster aus, limitierte das Baujahr auf maximal 1980 und wählte als Farbe gelb (bescheuert, oder?) und es blieben rund 145 Fahrzeuge übrig, die ich dann durchscrollte. Und was soll ich sagen, ich fand den gleichen Wagen. Mit Glück, denn in gelb war zu der Zeit nur einmal vorhanden, 12 Triumph Stag (des Rätsels Lösung) in diversen Farben sind allerdings auch nicht wirklich viel. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn der Stag wurde von 1970 bis 1977 nur knapp 26.000 mal gebaut. Immerhin soll aber die Erhaltungsrate mit rund 9.000 noch existierenden Fahrzeugen relativ hoch sein.

Fast schon merkwürdig, wenn man bedenkt, dass der viersitzige Roadster, der auch mit einem Hardtop lieferbar war, bereits nach seiner Einführung mit Motorproblemen zu kämpfen hatte. Das Hauptproblem des Achtzylinders, der aus 3 Litern Hubraum bei einer Verdichtung von 9,25:1 eine Leistung von 146 PS schöpfte, waren wohl gerissene Steuerketten und defekte Zylinderkopfdichtungen. Wenn der Motor lief, verhalf er dem rund 1.270 kg schweren Stag in zirka 9,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Tachonadel hörte erst bei 195 km/h zu klettern auf. Die Kraftübertragung erfolgte im 4,42 m langen Briten entweder per serienmäßiger 3-Gang-Automatik oder dem optionalem 4-Gang-Schaltgetriebe mit Overdrive. Gebremst wurde mit Scheibenbremsen an der Vorderachse und Trommeln an der angetriebenen Hinterachse.

Triumph Stag beim Nürburgring Revival 2011Die erwähnten Getriebe gehören übrigens zu den Hauptunterscheidungsmerkmalen der einzelnen Serien. Den MK 1 gab es 1970 und 1971, den MK 2 zwischen 1973 und 1975 und das letzte Modell danach. Offiziell wurde diese Bezeichnung vom Hersteller nicht genutzt, hat sich aber wohl in der Fangemeinde im Laufe der Jahre zur Unterscheidung der einzelnen Modelle so eingebürgert. Und die Szene rund um den Triumph Stag ist durchaus rege. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind immer wieder Fahrzeuge zu bekommen, vom restaurierungsbedürftigen Scheunenfund bis zum Klassiker im Bestzustand mit Oldtimerzulassung. Die Preise variierten bei einer Suche im Internet von rund 2.000 Euro für eine Rohkarosse über 10.000 Euro für ein Modell im “normalen” Zustand bis hin zu knapp über 25.000 Euro für den erwähnten Bestzustand. Triumph Stag Ersatzteile sind fast zu 100 % zu bekommen, was es nicht mehr original gibt (wie zum Beispiel Blechteile), wird nachgefertigt. Dies gewährleistet eine lange Freude an dem seltenen Briten.

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