Gefahren: das klassische London Taxi

Vorgeschichte

Sie gehör(t)en genauso zum typischen Straßenverkehrsbild in London wie die bekannten roten Doppeldeckerbusse: Londons meist schwarze Taxis. Oder Taxen. Oder wie auch immer die offizielle Mehrzahl von Taxi lautet. Auf jeden Fall haben sie wohl Kultstatus, werden allerdings nun auch durch neuere Pendants ersetzt. Dazu werde ich demnächst noch etwas schreiben, aber in diesem Beitrag soll es um die alten Versionen gehen.

Und da sind wir schon beim großen Fehler, denn nicht jedes vermeintlich alte Taxi aus London hat auch wirklich das Zeug zum Oldtimer. Der von mir gefahrene Wagen war zum Beispiel gerade einmal Baujahr 1995. Das liegt vor allen Dingen daran, dass der Wagen jahrzehntelang relativ unverändert gebaut wurde – zumindest was das äußerliche angeht. Es begann mit dem Austin FX4, der seinen Vorgänger FX3 zum Jahreswechsel 1958 / 1959 ablöste. In der weiteren zeitlichen Abfolge wird es dann etwas verwirrend, da der FX4 erst einige Zeit lang von Austin verkauft wurde, dann gingen die Rechte zum Modell 1982 an die Firma Carbodies über, die den Wagen auch schon vorher einige Zeit lang produziert hatte. 1984 wurde dann die Firma LTI gegründet, die den FX4 überarbeitete und bis 1997 weiterhin vertrieb.

Der ursprüngliche Austin FX4, kam mit einem Diesel aus dem Hause Austin auf den Markt, der über 2,2 Liter Hubraum verfügte. Die Kraftübertragung erfolgte mittels BorgWarner Automatikgetriebe. Ab 1961 gab es optional auch ein Schaltgetriebe, ab 1962 auch einen Benzinmotor mit gleichem Hubraum wie beim Diesel. Im Jahr 1968 erfolgte ein Facelift mit Blinkern unterhalb der Scheinwerfer und geänderten Rückleuchten. Ab 1971 wurde der Hubraum des Dieselmotors von 2,2 auf 2,5 Liter erhöht. Es folgten Motoren von Land Rover und zu guter letzt ein Dieselmotor von Nissan, der über 2,7 Liter Hubraum verfügt. So einen habe ich gefahren.

Fahrbericht

Und das war echt spannend. Nie zuvor hatte ich einen Rechtslenker gefahren. Und dann auch noch in Deutschland, also auf der für das Fahrzeug falschen Seite. Immerhin konnte die Tatsache, dass es sich um ein Fahrzeug mit Automatik handelt und ich nicht schalten brauch, die Nervosität etwas senken. Vor Ort der nächste Schock: groß ist es. Das schwarz lackierte Arbeitstier steht neben einem weißen Skoda Yeti, der neben dem Taxi fast schon wie ein Kleinwagen wirkt. Am Tag meiner Probefahrt wartet das Taxi allerdings Öl verlierend in einer Halle auf mich. Auf der Hebebühne erkennt man sehr schön die Arbeitsweise, mit der diese Nutzfahrzeuge möglichst lang am Leben gehalten werden, ohne allzu hohe Kosten zu verursachen.

Ich nehme Platz. Rechts. Wo das Lenkrad ist. Links ist nichts. Nicht mal ein Sitz. Dieser Platz ist für das Gepäck vorgesehen. Ein Blick in den so genannten Kofferraum offenbart, warum hier kein Koffer reinpasst. Hier befindet sich das Reserverad und auch die Rampen. Die Taxis in London sind nicht ohne Grund so groß, müssen seit einigen Jahren in der Lage sein, Rollstuhlfahrer zu befördern. Dafür lässt sich die linke Tür um 180 Grad öffnen. Dann kommen die Rampen dran und der Rollstuhlfahrer kann den Innenraum entern, der dafür ein entsprechendes Platzangebot bereithält. Ohne Rollstuhlfahrer können auf der Rücksitzbank drei Personen Platz nehmen, auf Klappsitzen gegen die Fahrtrichtung zwei weitere. Das macht inklusive Fahrer 6 Personen. Ausprobieren würde ich das nicht wollen, der Wagen machte in der Tat nicht den agilsten Eindruck. Als ich mich vorne auf den Arbeitsplatz gequetscht hatte, suchte ich allerdings erst einmal das Zündschloss. In englischen Autos ist nicht einfach alles spiegelverkehrt. Geholfen hat mir das nicht, das Zündschloss befand sich unterhalb des Lenkrades. Tolle Idee, wenn man eh schon kaum Platz hat.

Gemächlich ging es los und tatsächlich muss man anfänglich höllisch aufpassen, seinen eigenen Körper nicht immer an der Mittellinie auszurichten, da dann die Hälfte des Wagens schon fröhlich den Gegenverkehr in Bedrängnis bringt. Der Mensch ist in der Tat ein Gewohnheitstier. Und so hörte ich mehrmals den Satz Orientier die an der rechten Linie.“ und tat, wie mir befohlen. Erstaunlich ist der Wendekreis des Briten, der nach Vorschrift nicht mehr als 7,60 m betragend darf. Drehen auf engstem Raum? Kein Thema!

In der Stadt scheint der Wagen somit gut aufgehoben, meine Testfahrt hingegen offenbarte die Schwächen. Während es auf der Landstraße noch ging, sollte man es auf der Autobahn besser nicht eilig haben. Bei 110 km/h wirkte das Fairway Taxi schon reichlich gequält. Hinzu kommt eine unsägliche Geräuschkulisse, die die Kommunikation mit dem Fahrgast selbst durch den zu öffnenden Teil der Trennscheibe schon bei geringem Tempo fast unmöglich macht. Als ich einen Teil der Strecke im Passagierraum verbringen konnte, stellte ich fest, dass dieser zwar groß, aber auch nicht so richtig bequem ist. Für kurze Strecken in der Londoner Innenstadt sicherlich ausreichend, im privaten Alltag eher nicht. Es gab übrigens in der Tat zivile Versionen dieses Fahrzeugtyps. Hoffentlich waren die besser gedämmt und ausgestattet.

Fazit

Für den Alltag nicht wirklich zu gebrauchen, aber in hiesigen Gefilden definitiv ein guter Werbeträger. Zu exotisch muten diese Fahrzeuge hier noch an, bewundernde Blicke von Passanten mit offenen Mündern sah ich während meiner Fahrt andauernd. Und ich sah sie gut, denn rechts sitzend war ich ja nun wesentlich näher dran.

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