Getestet: Mitsubishi L200 2.5 DI-D+ Intense

Die Fahrzeugklasse Pickup begleitet mich schon seit frühester Kindheit. Im Fernsehen sprang Colt Seavers mit seinem Pickup über Hindernisse und einer der Simon-Brüder rammte mit seinem Pickup alles von der Straße, was sich ihm in den Weg stellte. In diversen Serien und Filmen kamen weitere Pickups zum Einsatz und so ist es wenig verwunderlich, dass ich als Jugendlicher zwar wie andere Gleichaltrige auch in den Autohäusern der Stadt rumlungerte, zu meinen begehrten Prospekten aber auch die der damals erhältlichen Pickups gehörten. Das waren freilich keine coolen „Trucks“ amerikanischer Produktion, sondern üblicherweise japanische Allradler.

Nun, etliche Jahr(zehnt)e später bot sich mir die Möglichkeit, eines dieser japanischen Fahrzeuge in der aktuellen Version zu fahren: einen Mitsubishi L200, dessen vollständige Bezeichnung eigentlich Mitsubishi L200 2.5 DI-D+ Intense DC 4WD lautet und somit einiges an Informationen liefert. Neben dem Hersteller und dem Modell erfährt man so, dass ein 2,5-Liter Diesel unter der Haube des Wagens seinen Dienst verrichtet. Das ist aber nicht weiter schwer, denn den haben alle aktuellen L200. Den Unterschied macht das kleine Pluszeichen hinter dem DI-D, dass uns verrät das der Selbstzünder in diesem Fall ganze 178 PS anstelle der sonst üblichen 136 PS leistet. Und auch das maximale Drehmoment steigt so von 314 auf 400 Nm an. Intense bezeichnet die Ausstattungsvariante, DC bedeutet Double Cab, also Doppelkabine. Und das 4WD weist auf den vorhandenen Allradantrieb hin.

Genug der grauen Theorie, ich steige das erste Mal hoch in die Kabine und nehme auf dem Fahrersitz Platz. Der Boden des Wagens wirkt mir zu hoch – oder der Sitz zu niedrig. Auf jeden Fall ist die Sitzposition gewöhnungsbedürftig. Der Hinweis „Das ist ein LKW.“ wird zur Kenntnis genommen und ich lasse den Blick durch den nicht mehr ganz so rustikal wirkenden Innenraum wandern. Das sah in den 80er-Jahre-Prospekten noch wesentlich spartanischer aus. Dennoch braucht man keinen überschwenglichen Komfort erwarten, denn auch trotz der großen Ausstattungsvariante handelt es sich beim Mitsubishi L200 immer noch um ein Nutzfahrzeug. Und so drehe ich ganz klassisch den Schlüssel im Zündschloss und der Wagen beginnt sich zu schütteln. Vor allen Dingen die beiden Schalthebel fürs normale Fünfganggetriebe sowie die Untersetzung wackeln zum Takt des Motors und schlagen mir gegen das Knie.

Ich bewege mich Richtung Ausfahrt und lande fast im Gegenverkehr. Zwar hat der L200 wohl den kleinsten Wendekreis seiner Klasse und eine leichtgängige Servolenkung, aber das Lenkrad möchte doch ordentlich gedreht werden, bevor das über 5 Meter lange Gefährt die Richtung wechselt. Beim normalen Abbiegen bedeutet dies eine komplette Umdrehung des Lenkrads und ich denke über eine Kurbel aus dem Zubehör nach. Ein Navigationssystem sucht man vergeblich, dafür wird in der recht schlichten Anzeige in der Mitte des Armaturenbretts immerhin die Himmelsrichtung angezeigt, quasi als Navi 0.1 oder so. Die Instrumentierung ist als durchaus übersichtlich zu bezeichnen.

So kann das erwähnte Display neben der Himmelsrichtung noch Auskunft über die Uhrzeit, die Außentemperatur, den Verbrauch und die Reichweite sowie weitere Informationen geben und zu guter Letzt auch den eingestellten Radiosender anzeigen. Das Radio sieht nach Zubehör aus dem Günstigbereich aus und der Empfang ist nicht der beste. Gerade hier im bergigen Grenzgebiet ist dies gut zu testen und allzu oft waren leider störende Geräusche zu vernehmen. Vor sich blickt der Fahrer auf die vier klassischen Anzeigen: Tacho, Drehzahlmesser, Tankinhalt und Wassertemperatur. Hinzu kommt die Anzeige der Getriebeuntersetzung und natürlich ein Haufen Leuchten für Blinker und Co. Gerade bei Letzterem fiel mir auf, dass dieser keinen Autobahnblinker hat. Es schon erstaunlich, wie schnell man sich an dieses Antippen gewöhnt, dass automatisch für ein mehrmaliges Blinken zur entsprechenden Seite sorgt. Egal, blinke ich halt wieder „manuell“.

Wo wir gerade schon einmal auf der Autobahn sind: mit der 178-PS-Maschine kann der Dicke durchaus den normalen Verkehr der mittleren und linken Spur mitgehen. Bereitwillig räumen huttragende Fließheckfahrer die Spur, wenn die Front des L200 auf Augenhöhe formatfüllend im Rückspiegel auftaucht. Rund 180 km/h sind machbar, wenn auch nicht wirklich angenehm auf längeren Strecken. Zudem ist die einstellige Werksangabe in Sachen Verbrauch dann nichts mehr wert, rund 11,5 Liter hatte ich laut Verbrauchsanzeige schon pro 100 Kilometer durch die Leitungen gedrückt. Lässt man es allerdings ganz ruhig angehen, wie beispielsweise beim letzten Blitzermarathon hier in NRW, und hält sich penibel an alle Geschwindigkeit, wenn man mit dem unbeladenen Mitsubishi Pickup unterwegs ist, lassen sich sogar 6,4 Liter realisieren. Gut, das ist an der alltäglichen Praxis vorbei, aber irgendwo in der Mitte sollte sich das Ganze sicherlich ansiedeln lassen.

Letztendlich fährt auch niemand einen unbeladenen Pickup spazieren und somit sind wir auch schon bei der Frage „Wer kauft so ein Fahrzeug?“ Und hier sind halt hauptsächlich Handwerker zu nennen. Die normalerweise offene Ladefläche ist für die meisten familiären Transportbelange eher ungeeignet und auch in der Version mit nachgerüstetem Hardtop, wie ich sie fahren konnte, sorgt die glatte Ladefläche für rutschende Kleinigkeiten. Da bietet sich eher der Mitsubishi Pajero an. Sollte man allerdings sein Motorrad transportieren wollen und mag die Einschränkungen eines Anhängers nicht, dann stellt ein Pickup sicherlich eine Alternative dar. Ansonsten sieht man Pickups hier in der Gegend gerne bei Garten- und Landschaftsbauern, die hinten ihre (verdreckten) Gerätschaften draufschmeißen, den Anhänger mit dem Rasentrekker hinter sich herzuziehen und das Dank Allrad auch abseits befestigter Wege.

Damit nun nicht der Eindruck entsteht, man hätte es mit einem grobschlächtigen Nullausstatter zu tun, möchte ich abschließend noch ein paar Dinge nennen, die mir positiv aufgefallen sind. So hatte der Doppelkabiner zum Beispiel vier elektrische Fensterheber. Das an sich ist eigentlich nichts besonderes, allerdings waren es allesamt Automatikversionen. Das heißt einmal kurz den Knopf betätigt und das jeweilige Fenster öffnet UND schließt sich automatisch. Das habe ich bisher nur in den wenigsten PKW gesehen, meist greift die Automatik nur beim Fenster der Fahrertüre. Auch das elektrisch versenkbare Heckfenster macht normalerweise Sinn, mit einem Hardtop allerdings weniger. Dieses war wie der L200 auch mittels Fernbedienung zu öffnen. Und es gab Knöpfe im Lenkrad zur Steuerung von Radio und ebenfalls in dieser Ausstattung vorhandenem Tempomat.

Die Preise beginnen für die Mitsubishi L200 Doppelkabine in der gefahrenen Motorisierung und Ausstattungsvariante bei 31.990 Euro. Wem auch der kleinere Motor oder weniger Platzangebot im Fahrzeug reicht, der kann zu einer günstigeren Version greifen. Diese lässt sich auf der Internetseite von Mitsubishi Motors konfigurieren. Dort findet man auch weitere Informationen und allgemeine Bilder zum Fahrzeug. Weitere Bilder zum getesteten Mitsubishi L200 mit Sonderzubehör wie zum Beispiel dem Schiebeplateau auf der Ladefläche gibt es in der folgenden Galerie:

 

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