Getestet: Opel Astra GTC 2.0 CDTI ecoFLEX

Wie schon im Beitrag zur exklusiven Opel Astra GTC Preview erwähnt, war ich ganz gespannt auf das fertige Produkt. Ein erstes persönliches Erfahren fand dann bei der Präsentation der gesamten Astra-Familie statt. Dort bewegte ich den GTC allerdings in seiner schärfsten Version, nämlich als Opel Astra OPC. Und das auch nur verhältnismäßig kurz. Eine Alltagstauglichkeit des sportlich geschnittenen Astras war so sicherlich nicht zu testen. Und so freute ich mich, als der Testwagen bei uns auf den Hof rollte: ein Opel Astra GTC 2.0 CDTI ecoFLEX in leuchtendem Rot. Mit sehr groß wirkenden 19-Zöllern und einem manuell zu schaltenden 6-Gang-Getriebe.

„Schön“ ist eines der Worte, das ich häufig zu hören bekam. Die schnittige Linienführung wurde von den meisten Herren der Schöpfung bewundert. Bei den Damen kam dann noch diese strahlende Farbe namens Powerrot hinzu. Die Tatsache des augenscheinlich tollen Designs wurde aber häufig durch Detailkritik bzw. Klischee bedingte „Unkenrufe“ niedergemacht. Unübersichtlichkeit nach draußen und aufgrund der Schalterflut in der Mittelkonsole, falsche oder zu schwache Motorisierung und mangelhafte Verarbeitung wurden pauschal in den Raum gestellt. Und so hat man leider noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, um diese Art von Vorurteilen zu entkräften. Oder aber auch nicht, wenn sie denn zutreffen.

Der Motor ist mit seinen zwei Litern Hubraum und einem Turbolader für 165 PS gut. Diese sind sicherlich ausreichend, um den Spagat zwischen flotter Gangart und günstigem Verbrauch zu wagen. Ein Sportwagen wird aus dem GTC mit diesem Dieselaggregat aber sicherlich nicht. Gerade beim Herausbeschleunigen aus Kurven sollte man darauf achten, aus den sechs zur Verfügung stehenden Gängen schon den passenden eingelegt zu haben und nach dem Durchschreiten des kurzen Drehzahlbandes zügig den nächsten Gang zu wählen, um hier nicht in den Begrenzer zu laufen. Wer den GTC nicht nur der sportlichen Optik wegen kauft, sollte zu einem der 400 Nm leistenden Aggregate greifen. Da wäre zum einen der 280 PS starke Benzinmotor im erwähnten Astra OPC, zum anderen aber auch ein stärkerer Dieselmotor. Dieser BiTurbo leistet Dank zweier Turbolader 195 PS, also immerhin 30 PS mehr, als der von mir gefahrene Wagen. Und diese 30 PS machen sicherlich einen merkbaren Unterschied aus.

Unübersichtlichkeit scheint ein großes Thema zu sein. Aber wenn wir ehrlich sind, hat jemand, der bei einem sportlich geschnittenen Zwei- oder Dreitürer die Übersicht bemängelt, den Knall nicht gehört. Gut, die in den Medien viel kritisierte A-Säule ist vorhanden, stellte für mich in den Serpentinen der Eifel aber kein größeres Problem dar. Wenn man noch ein wenig Beweglichkeit im Körper hat, und das setze ich bei einem GTC-Käufer einfach mal voraus, kann man die A-Säulen-„Problematik“ meines Erachtens leicht ganz leicht umgehen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ich irgendwo in der Pampa auf einer einspurigen Bergstraße unterwegs bin, ist auch eher gering. Das die Heckpartie kaum Übersicht bietet, ist sicherlich klassentypisch und kein GTC-spezifischer Kritikpunkt. Wer mehr sehen will, sollte sich den Astra 5-Türer kaufen.

Die Mittelkonsole erschreckt beim ersten Anblick mit einer Flut von Knöpfen, die nochmals das Thema „Übersichtlichkeit“ mit einem negativen Touch belegen. Angeblich sollen sich einer Umfrage nach die meisten Menschen nach einer kurzen Zeit an die Anordnung gewöhnt haben und die richtigen Schalter im Schlaf drücken können. Bei mir haben die 14 Tage Testzeit allerdings nur gereicht, um die grundsätzliche Funktionsweise zu eruieren und die für mich wichtigen Knöpfe (z. B. den Knopf für den Sportmodus) auf Anhieb finden zu können. Wenn man es mal raus hat, ist es sicherlich ganz leicht, ebenso wie die Ablesbarkeit des Displays mit erfrischend hellem Hintergrund. Bei den ganzen dunklen Displays mit heller Schrift wirkt das Display im Opel Astra GTC fast schon wie Antidepressiva. Hier bekommt man nicht nur Infos zum aktuellen Sender samt Interpret und Titel des zu hören Liedguts oder die Navigation mit künstlerisch dargestelltem Horizont, nein, auch Tankstellen bekommt man angezeigt, wenn das flüssige Gold im Tank mal wieder zur Neige geht. Auf den Verbrauch an sich werde ich hier nicht eingehen, denn wie in diversen anderen Artikeln bereits erwähnt, lässt sich im kurzen Testzeitraum mit unterschiedlichsten Fahrszenarien kein verlässlicher Wert ermitteln.

Zum Thema Verarbeitung kann ich nur sagen: Kantenrost an den Radläufen war nicht zu finden. Entschuldigung, den konnte ich mir nicht verkneifen. Natürlich rosten die Fahrzeuge nicht mehr, so wie man das noch aus den 90ern kannte. Allerdings kann ich nach so einem Test natürlich wenig zu den Langzeitqualitäten der aktuellen Astra-Baureihe sagen. Was ich sagen kann ist, dass der Innenraum sauber verarbeitet wirkte, auch wenn man hier natürlich nicht mit edelsten Materialen rechnen darf. Den Materialmix an sich fand ich aber durchaus gelungen. Sehr gut gefielen mir die Sitze, die über eine ausziehbare Beinauflage verfügten, was mir mit 1,92 m Körpergröße und entsprechend langen Beinen natürlich zugute kommt. Und auch eine angenehme Sitzposition ließ sich einrichten. Merkwürdig fand ich, dass ich trotz des weit nach hinten geschobenen Sitzes kaum an den an der B-Säule sitzenden Gurt herankam. Kaum vorzustellen, wie dies jemand schaffen will, der kleiner ist und entsprechend weiter vorne sitzt. Hier wäre ein „Gurtreicher“ eventuell sinnvoll.

Das Raumangebot ist natürlich typisch Coupé eher beschränkt. Hat man auf den vorderen Sitzen noch ausreichend Platz, kann es hinten schnell eng werden. Der Kleinkram vom Handy, über Taschentücher, Kaugummis und was sonst noch so alles mitgeschleppt wird, findet in diversen Ablagemöglichkeiten Platz. Der Kofferraum ist auch nicht der größte, kann aber durch die umlegbaren Rücksitzlehnen entsprechend erweitert werden. Alle wichtigen Dinge wie Warndreieck und Co. sind sinnvoll platziert, so dass sie auch im normal beladenen Zustand erreicht werden können und vor allen Dingen nicht sinnlos durch den Kofferraum fliegen. Zugang erhält man übrigens durch einen Druck auf den unteren Teil des Opel-Zeichen an der Heckklappe – vorausgesetzt man weiß es und sucht nicht wie ich ewig nach einem Schalter. Wenn man es weiß, ist es allerdings ein Riesenspaß, Bekannte und Verwandte suchen zu lassen. 😉

Ein Punkt verdient auf jeden Fall noch Erwähnung: das aufpreispflichtige (980 Euro) und durchaus empfehlenswerte FlexRide Sportfahrwerk. Ich bin zu wenig Techniker, als dass ich hier fundierte wissenschaftliche Abhandlungen vom Stapel lassen könnte. In der Praxis bedeuten Dinge wie HiPerStrut-Vorderradaufhängung und Watt-Link-Hinterachse einfach, dass der Opel Astra sich extrem gut durch Kurven jagen lässt. Und durch einen Druck auf die bereits erwähnte und mit „Sport“ beschriftete Taste ändert sich nicht nur die Tachobeleuchtung von harmlosen Weiß auf ein aggressives Rot, nein, der GTC wird merklich straffer. Hinzu kommt die geänderte Gasannahme, die sich ebenfalls positiv auf die Agilität auswirkt. Fast schon als Ausgleich gibt es eine Taste, auf der das selbsterklärende Wort „Tour“ zu finden ist. Noch komfortabler geht es hier im Vergleich zum Normalmodus zu, was ich zum Beispiel auf längeren Autobahnfahrten genutzt habe.

Es fällt mir schwer, ein brauchbares Fazit aus den dargelegten Erfahrungen zu ziehen. Opel ist mit der Einführung solcher Fahrzeuge, die wieder die jüngere und vor allen Dingen sportlichere Klientel ansprechen sicherlich auf dem richtigen Pfad, weg vom Opa-Image. Inwiefern die Kunden das Vertrauen haben, ihr Geld, im Falle des Testwagens immerhin rund 32.000 Euro, auch zu Opel und nicht zur Konkurrenz zu tragen, wird die Zukunft zeigen. Ich halte den Opel Astra GTC grundsätzlich für ein sehr schön gestaltetes Fahrzeug, dass mir allerdings eine etwas zu wenig aggressiv wirkende Front aufweist. Hier werden sich aber die bekannten Zubehörhersteller mit verschiedenen Schürzen und Grilleinsätzen auf den Markt stürzen und so den Fans wieder ausreichende Möglichkeiten zur Individualisierung bieten. Ich bin gespannt, wie häufig einem der GTC in Zukunft begegnen wird. Und vor allen Dingen, in welchen Motorisierungen. Lassen wir uns überraschen.

Weitere Informationen zum Opel Astra GTC findet ihr samt Konfigurator auf der Internetseite von Opel, weitere Bilder auch schon hier in der folgenden Galerie.

PS: Warum ist das Zündschloss an der Lenksäule so weit Richtung Fahrer positioniert? Etwaige Schlüsselanhänger nerven mich dann mit Kniekontakt.

3 Gedanken zu „Getestet: Opel Astra GTC 2.0 CDTI ecoFLEX

  • 21. Oktober 2012 um 08:52
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    Hi Marco,
    wie immer schön und kurzweilig geschrieben. Dein Bericht hat mich zudem neugierig auf das Auto gemacht, und auch wenn Kleinwagen nicht mein Fall sind (ich brauch Kofferraum!) wäre ich höchst interessiert, wenn Du mit dem Wagen mal bei uns auf den Hof rollen solltest 😉

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    • 22. Oktober 2012 um 07:03
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      Wie erwähnt leider schon weg. Aber bei Thüllen stehen die garantiert auch – vielleicht sogar als OPC …

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