Getestet: Škoda Fabia RS

Lust auf eine Runde im tschechischen Kleinwagen?“ frage ich meinen Schwager, der mich fast schon enttäuscht ansieht. Scheinbar verständlich, denn sonst besuche ich ihn mit Testwagen wie beispielsweise dem Nissan 370Z und frage ihn nach seiner Meinung. Wir kommen draußen auf den Hof und er erblickt den kleinen Wagen mit der auffälligen Lackierung: sprintgelb mit schwarz abgesetztem Dach. Die auf dem Auto zu findenden Schriftzüge beachtet er zum Glück kaum. Im Innenraum des Wagens angekommen folgt der zweite Seufzer der Enttäuschung: „Auch noch ein Automatik! Du armer Kerl!“ Ich versuche ernst zu bleiben und rolle langsam vom Hof und anschließend mit 30 bzw. 50 km/h durch den Ort. Beim Passieren des Ortsausfahrtschildes ziehe ich mehrmals an der linken Schaltwippe und befördere das Gaspedal Richtung Bodenplatte. Während der Wagen dank DSG-Getriebe ruckfrei beschleunigt, schalte ich mit der rechten Schaltwippe immer bei der Höchstdrehzahl von 7.000 U/min. einen Gang weiter und kann nun endlich Grinsen. Mein Schwager schaut mittlerweile erstaunt. „Škoda Fabia. RS!“ lautet meine direkt folgende Erklärung, die ich mit den wichtigsten technischen Daten garniere: „180 PS, die der Škoda Fabia RS dank Turbolader aus den nur 1,4 Litern Hubraum des Vierzylinders mobilisiert. In 7,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, bei rund 225 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht! Nicht schlecht für einen tschechischen Kleinwagen, oder?“ Auch meinem Schwager muss man nun das dauerhafte Grinsen nun aus dem Gesicht meißeln.

Ich muss zugeben, dass ich in vielerlei Hinsicht gespannt war. Da wäre einerseits Škoda an sich, mit denen ich bis dato keinerlei praktische Erfahrungen hatte. Ich hatte dies auch schon in meinem Beitrag zum Bloglight Mai 2012 kundgetan, dass Škoda für sich entscheiden konnte. Ich kannte kaum historische Fahrzeuge des Herstellers und aktuellere Fahrzeuge der 80er und 90er Jahre, die ich erstmals bewusst wahrnahm, fand ich auch nicht wirklich prickelnd. Dann nahm VW die Sache in die Hand und die Wagen des tschechischen Automobilbauers wurden mehr. In der Nachbarschaft ersetzten immer mehr Škodas die Fahrzeuge des Mutterkonzerns. Klar, bewährte VW-Technik zum günstigeren Preis ist gut, wenn man mit dem Image leben kann. Und das hat sich mittlerweile doch sehr gewandelt.

Andererseits war ich sehr gespannt auf das Getriebe mit den drei Buchstaben: DSG. Mein Nachbar, ein autoaffiner Typ, der auch schon mal den ein oder anderen Testwagen in meinem Beisein bewegt hat, setzte immer einen VW Golf GTI mit DSG-Getriebe als Referenz an. Wobei „DSG-Getriebe“ zwar geläufig, aber falsch ist, da es doppelt gemoppelt wäre, denn das „G“ in DSG steht schon für Getriebe. Insgesamt steht die Abkürzung für Direktschaltgetriebe, womit ein Doppelkupplungsgetriebe gemeint ist. Und dieses ist neben Porsche und Co. halt auf Wunsch auch im Golf GTI vorhanden. Und auch der Škoda Fabia RS kommt mit dem DSG – nicht optional, sondern serienmäßig. Da ich bis dato noch nicht das Vergnügen DSG hatte, war ich also extrem gespannt.

Am Tag der Anlieferung war ich bei einer Fahrveranstaltung, scheuchte noble Sportwagen mit 550 PS über die Nordschleife. Meine Frau nahm den Škoda an und sandte eine SMS mit nur drei Worten: „Geil, geil, geil!“ Wieder zu Hause angekommen, trübte der Regen ein wenig jegliches Fahrvergnügen. Dennoch ging es mit dem Fabia RS zum Einkauf mit der ganzen Familie. Somit war ich bereits beim Einsteigen überrascht, denn ich muss ehrlich zugeben, dass mir der Fabia an sich aus einem Grund optisch nicht zusagt: er baut mir zu schmal. Dieses „mehr-hoch-als-breit-Design“ ist nicht so meins und so befürchtete ich, dass mein Beifahrer halb auf meinem Schoß sitzen würde. Dem war allerdings nicht so. Für einen Kleinwagen mit den vorliegenden Abmessungen bietet der Wagen im Innenraum erstaunlich viel Breite. Und auch den Kofferraum hätte ich wesentlich kleiner erwartet, als er dann tatsächlich war. Natürlich darf man bei einem Fahrzeug dieser Klasse kein Raumwunder erwarten und gerade die Zielgruppe der RS-Käufer sucht wohl eher den Fahrspaß, als einen Lastesel.

Und der Fahrspaß ist immens. Auch nach meinem erwähnt PS-starken Tag konnten die 180 PS im Fabia RS durchaus überzeugen. Sie haben mit dem verhältnismäßig leichtgewichtigen Fabia entsprechend leichtes Spiel und bieten in Verbindung mit dem ebenfalls erwähnten DSG einen nicht abreißen wollenden Vorschub. Ich persönlich kann es gar nicht so gut in Worte fassen, wie es der Nachbar mit GTI-Referenz tat: der Fabia RS kommt vom Zusammenspiel von Motor und Getriebe sowie dem Fahrverhalten insgesamt sehr nah ran an den großen Bruder aus dem Mutterkonzern. Allerdings zum wesentlich günstigeren Preis. Da er aufgrund der großen „Kinder“ (alle 18+) den Platz eines Kompaktwagens gar nicht mehr benötigt, stellt der Fabia RS für ihn also eine preisgünstige Alternative dar, die sich hier in der Nordeifel ebenso sportlich wie ein GTI, aber auch verbrauchsgünstiger als dieser auf längeren Strecken beispielsweise zur Arbeit bewegen lässt.

Das wäre eigentlich schon ein prima Fazit, wenn es nicht noch ein paar Punkte gäbe, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Das Lenkrad zum Beispiel. Es ist sehr schön griffig, weist keine durch Matrialmix verursachten Kanten und Übergänge auf. Ich verstehe allerdings nicht, warum man es zwar mit dem RS-Logo versehen, aber im unteren Teil nicht abgeflacht hat, um noch mehr Sportwagenflair zu vermitteln. Bei immerhin zwei der insgamt vier Konzernbrüder wurde dies auch so umgesetzt, beim Fabia RS halt nicht. Insgeamt wirkt der Innenraum recht trist. Zwar ist das RS-Logo auch auf denen Sitzlehnen vorne wie hinte zu finden, ansonsten dominiert aber sachliche Nüchternheit das Interieur des sportlich zu fahrenden Tschechen. Sich in dieser Preisklasse über den massiven Einsatz von Kunststoffen zu beschweren, halte ich übrigens für überzogen.

Auch das anderweitig zu lesende Gemoser über die zu hohe Sitzposition oder das verhältnismäßig weiche Fahrwerk im Vergleich zu den Geschwistern aus dem Konzern kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich ist der Fabia RS kein brettharter Dreitürer, bietet daher aber meines Erachtens einen höheren Nutzwert im Alltag. Somit bietet der Škoda Fabia RS auch genügend Flexibilität für eine vierköpfige Familie wie unsere zum Beispiel. Das führte dazu, dass sich der kleine, gelbe Flitzer einen der vorderen Plätze in unserem Familienranking, dass ich hier demnächst vorstellen werde, sichern konnte. Auch wenn ich es bis heute nicht verstanden habe, warum der Wagen beim Einlegen des Rückwärtsgangs die Musik ausschaltet und vor allen Dingen nach dem Parkvorgang mit unverminderter Lautstärke wieder anwirft. Für die Freunde lauten Hörgenußes eine Tortur. Nichts desto trotz ist der Fabia RS ein gelungenes Allroundpaket, dass hier auf den kurvigen Landstraßen der Nordeifel überaus viel Fahrspaß bereitet, aber auch genauso gut im Automatikmodus durch die Stadt oder über die Autobahn pilotiert werden kann. Und das für nicht mal 22.000 Euro in der Grundausstattung.

Weitere Informationen zum Škoda Fabia RS findet ihr auf der passenden Internetseite von Škoda, weitere Bilder vom RS findet ihr auch in der folgenden Galerie:

10 Gedanken zu „Getestet: Škoda Fabia RS

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.