Jaguar Experience Drive auf der Nürburgring Nordschleife

Prolog

Kurzfristig flatterte die Einladung ins Haus: Jaguar Experience Drive am Nürburgring. Nürburgring ist immer gut und da ich den letzten Jaguar-Event ja leider am Tag des Geschehens absagen musste, nahm ich diesmal meine Chance wahr. Da ich gerne vorbereitet bin, durchforstete ich das Internet, ohne im deutschsprachigen Raum auf brauchbare Infos zu stoßen. Klar, bei einer Veranstaltung, die von Jaguar UK organisiert wird. Einzig ein paar Videos konnte ich finden, in denen unter anderem auch Jay Leno im Jag über den Ring rast.

Englisch war auch bei der Veranstaltung die vorherrschende Sprache, glücklicherweise waren die Instruktoren aber allesamt Deutsche. Das machte es etwas einfacher. Am frühen Morgen tauchten wir also beim Jaguar Testcenter am Nürburgring auf. In drei Turns mit demnach drei unterschiedlichen Modellen sollte hinter einem Instruktor je zwei Runden über die legendäre Nordschleife gefahren werden. Bei bestem Wetter. Fast schon unüblich für den Nürburgring. Nach ein paar einleitenden Worten und Warnungen ging es los.

Turn 1

Tom Schwister war unser Instruktor für den Tag und freute sich, dass er bei unserer Gruppe Deutsch sprechen durfte. Auch wenn er zwischendurch ins Englische verfiel. Er fuhr einen Jaguar XKR, ich saß für meine ersten beiden Runden in einer Jaguar XFR Limousine. Der XF ist bei Jaguar das Einstiegsmodell, dass aber schon in der oberen Mittelklasse positioniert ist. In der R-Version hat der Wagen allerdings den 5.0 Liter V8 mit Kompressor unter der Haube, der stolze 510 PS leistet. Die beschleunigen die Limousine laut Jaguar in knapp unter 5 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Probiert habe ich es nicht, aber als wir nach der Auffahrt auf die Döttinger Höhe nach der Startfreigabe durch den Streckenposten aus dem Stand heraus Gas gaben und der Instruktor „Dranbleiben!“ rief, wurde einem klar, dass es sich beim XFR nicht um das Volumenmodell mit 2,2 Diesel handelte.

Der Achtzylinder machte für eine gediegene, britische Limousine fast schon unanständige Geräusche und ging extrem gut vorwärts. Irgendwann in der zweiten Runde betätigte ich den JaguarDrive Selector, drückte und drehte von Fahrstufe D auf S, lauschte der höheren Drehzahl und versuchte die Linie zu fahren, die Tom vorgab. Dieser erklärte über Funk Teile der Strecke, ermahnte aber auch, die Abstände einzuhalten, die gesamte Streckenbreite auszunutzen und ermutigte an mancher Stelle auch zur Nutzung der Curbs. Mit 1,92 m Körperlänge, einem Helm auf dem Kopf und einem Schiebedach im Auto führte dies jedoch zur abrupten Verringerung der Kopffreiheit. Das Fahrverhalten des XFR war dabei zu jeder Zeit ausgewogen, nur einmal hatte ich etwas Mühe, den zweiten Teil einer S-Kurve sauber mitzunehmen, da ich bei der Einfahrt in die erste Kurve schon abseits der Ideallinie und zudem noch ein paar km/h zu schnell war. Doch das stellte für den XFR kein Problem dar, eine leichte Korrektur am Lenkrad und schon ging es auf der Ideallinie weiter. Doch eh man sich versah, waren schon wieder 20 km gefahren, die zweite Runde vorbei und so ging es zurück zur Basis.

Foto: Jaguar / Mark Fagelson

Turn 2

Nach einer kleinen Pause ging es zum zweiten Turn. Diesmal nahm ich im Jaguar XKR-S Platz. Die meisten Menschen kennen Jaguars Top-Sportler in auffällig blauer Lackierung. Ich fuhr allerdings die nicht minder aggressiv wirkende Variante in schwarz. Und das erste Mal in meinem Leben saß ich in einem Wagen, der auch das fahren konnte, was er auf dem Tacho versprach: 300. Da ist er nämlich abgeregelt. Haben wir aber natürlich nicht gemacht. Doch die Mehrleistung von „nur“ 40 PS im Vergleich zum zuvor gefahrenen XFR war schon während der Anfahrt zur Nordschleife deutlich zu spüren, ein kurzer Gasstoß sorgte kurz für drehende Hinterräder, bevor die Elektronik eingriff. Auch das zu beherzte Gasgeben am Scheitelpunkt einer Linkskurve nach der alten Boxengasse korrigierte der Jaguar unauffällig und ich war schier begeistert von der Leistung, die der britische Sportwagen bereitstellte.

Das griffige Lenkrad hin- und herdrehend ging es durch die 75 (oder doch 76?) Kurven der Nordschleife. Irgendwann auch im Dynamic Mode, der das Ganze noch dynamischer machte. Ich fühlte mich sauwohl, die Sitzposition war zehnmal besser als noch im alten XK von vor 11 Jahren. Natürlich war der Helm auch im XKR-S in Sachen Kopffreiheit nicht förderlich, aber alles in allem hatte ich Platz. Als wir eine Gruppe Fahrzeuge passieren ließen, die schneller unterwegs waren, wirbelte ein vor mir fahrender Wagen einen Pylon auf. Ich hatte die Wahl zwischen Pylon überfahren oder den Überholenden ins Grün drücken und entschied mich für die erste Variante. Darunter litt das Carbonschwert in der Frontschürze, dessen Ersatzteilpreis Normalsterblichen die Tränen in die Augen treibt. Bei Jaguar schien man aber froh zu sein, dass ich nicht mit Feindkontakt den Wagen neben mir weggedrückt hatte. Auch diese beiden Runden gingen viel zu schnell zu ende und ich war fast schon traurig, als ich das 680-Nm-Drehmoment-Monster abstellen musste.

Foto: Jaguar / Mark Fagelson

Exkurs

Um zumindest ein sehr luxuriöses Fahrzeug der Oberklasse mal außerhalb der Rennstrecke zu erleben, bot man uns an, einen Jaguar XJ L in der Wartezeit nach dem Mittagessen ein wenig durch die umliegenden Dörfer zu fahren. Und der Wagen, der an sich schon beeindruckend ist, packt in der langen Version noch mal einen drauf. Und so fuhren wir mit dem weißen 5,25 Meter – Schiff, dessen umlaufende Holzleiste oberhalb des Armaturenbrett wirklich an Yachtbau erinnert, durch die sonnige Eifel, genossen den Unterschied zwischen gemütlichem Cruisen und dem aber ebenfalls vorhanden Vorschub, den der schon aus dem XFR bekannte 5-Liter-Motor bot. Als ehemaliger Chauffeur und Phaeton-Fahrer kann ich sagen, dass dieser Wagen noch einmal eine ganz andere Liga ist. Leider blieb gar nicht genug Zeit, um alle Details zu erforschen, denn kurz nach unserer Rückkehr am Testcenter, in dem wir auch noch eine Führung (ohne Kameras) mitmachen durften, ging es schon weiter.

Turn 3

Unseren dritten Stint (hört sich extrem nach Rennfahrersprache an, oder?) bestritt ich nun in einem Jaguar XJ Supersport. Zum Glück nur in der kurzen Version, die aber auch noch 5,12 m misst. Ausgerechnet im dritten Umlauf musste ich die immer schneller gefahrenen Runden in einer Luxuslimousine unter die Räder nehmen. Das sorgte für reichlich quietschende Räder in den Kurven und begeisterte Zuschauer am Streckenrand. Irgendwann schaute ich nach einer Kurvenkombination auf den Tacho und dachte mir noch ‚Da bist Du jetzt nicht mit 130 km/h durchgefahren, oder?‘ Erstaunlich, was in so modernen Fahrzeugen an Reserven steckt, die man im wahren Leben niemals ausreizen würde. Auch wenn es wesentlich mehr Arbeit war, den großen XJ auf der Strecke zu halten, hat auch dieser Wagen auf seine Weise irrsinnig viel Spaß gemacht.

Foto: Jaguar / Mark Fagelson

Taxi!

Was so ein XJ wirklich kann, wurde uns dann in einer Taxifahrt auf der Nordschleife verdeutlicht. Tom kam mit einem Jaguar XJ L um die Ecke, der sich allerdings von den anderen anwesenden XJ-Modellen „etwas“ unterschied. Er war mattgrau foliert, hatte einen Überrollkäfig und vier Schalensitze mit Hosenträgergurten. Motor und Fahrwerk sollen serienmäßig gewesen sein. Mit diesem Geschoss ging es dann erneut auf die Strecke und ich hatte glücklicherweise den Beifahrerplatz ergattern können. Es war ein irres Erlebnis und ich glaube, der Fahrer eines weißen Aston Martin DB9 wird aktuell fluchend bei seinem Verkäufer stehen, weil ihn auf der Rennstrecke eine Limousine in Langversion halb querstehend überholt hat. Was haben wir uns amüsiert.

Doch damit nicht genug, kurz darauf ging es noch zur Einzeltaxifahrt in einem serienmäßigen Jaguar XKR-S, wie ich ihn auch über die Strecke bewegen durfte. Diesmal war Axel Hoffmann mein „Taxifahrer“ und es ging schon spannend los. 80 km verbleibende Reichweite zeigte der Jaguar an. Nach Rücksprache und Freigabe durch den Ingenieur ging es zur fast 21 km langen Fahrt. Axel meinte noch, dass er nach dem harten Tag die mittlerweile etwas geforderten Bremsen schonen wollte. Davon konnte ich allerdings nicht viel feststellen und so dirigierte Axel den Jaguar in einem kontrolliert instabilen Zustand um den Eifelkurs. Wahnsinn, zu was so ein Wagen in Profihänden fähig ist, zumal er serienmäßig war und man ihn morgen so bestellen könnte, wenn man die mindestens 129.900 Euro übrig hat, die das XKR-S Coupé in der Grundausstattung kostet. Wir stellten den Jaguar übrigens mit einer restlichen Reichweite von 19 km ab. Soviel zum Thema Verbrauch unter Volllast. 😉

Fazit

Und so fand auch dieser schöne Tag leider ein Ende. Ich habe jetzt 6 Runden mehr Erfahrung auf der Nordschleife und Jaguar hat sich in meinen Augen in ein etwas anderes Licht gerückt. Zumindest ansatzweise, denn leider ist so ein Experience Drive weder eine Rennfahrschule, noch ein ausgiebiger Fahrzeugtest. Und so konnte nur ein erster Eindruck davon überzeugen, dass sich bei Jaguar ordentlich was getan hat. War ich aufgrund meiner Erfahrung mit älteren (nicht alten) Modellen noch skeptisch gegenüber der Marke von der Insel, sehe ich jetzt eine durchaus ernst zu nehmende Konkurrenz für die deutschen Platzhirsche. Doch diesen Wandel müssen auch andere und vor allen Dingen potentielle Käufer mitbekommen, damit Jaguar den Exotenstatus los wird und dennoch seine Exklusivität bewahrt. Vielleicht konnte ich dazu zumindest ein wenig beitragen.

Foto: Jaguar / Mark Fagelson

Hinweis: Der Großteil der hier im Beitrag und der folgenden Galerie gezeigten Bilder stammt von mir, einige Bilder stammen von Mark Fagelson, der für Jaguar unterwegs war und uns während der Veranstaltung abgelichtet hat. Diese Bilder sind entsprechend markiert.

5 Gedanken zu „Jaguar Experience Drive auf der Nürburgring Nordschleife

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