Tempo – die erfolgreichen Lieferwagen mit drei Rädern

Den Begriff Tempo verbinden die meisten Menschen heutzutage nur noch mit der Bezeichnung für Papiertaschentücher oder mit dem Thema Geschwindigkeit. Bei Letzterem ist dann meist von hohem Tempo die Rede. Sicherlich etwas, womit die Tempos aus diesem Beitrag kaum dienen können. Es handelt sich nämlich um Nutzfahrzeuge. Genauer gesagt Lieferwagen, deren markanteste Modelle nur drei Räder hatten.

Von 2008 bis 2009 fand eine Sonderausstellung mit Exponaten rund um die ehemalige Vidal & Sohn Tempo-Werk GmbH in Hamburg statt, die ich nicht besucht habe. Dafür aber Michael, der wohl die Bilder davon noch auf seiner Festplatte hatte, aber der Meinung war, sie würden nicht so recht in sein Blog passen. Also sandte er sie mir und nach etlichen Monaten komme ich nun endlich dazu, sie in einen Blogbeitrag einzubetten.

An der frischen Luft gab es schon mal ein Fahrzeug zu sehen. Obwohl das so nicht stimmt, denn es war gar kein ganzes Dreirad, sondern nur die Front davon, die sich bestimmt auch super als Dekoration im Partykeller machen würde. 😉

Die 1928 in Harburg (kein Schreibfehler, sondern ein Stadtteil der Hansestadt Hamburg) gegründete Firma produzierte anfänglich dreirädrige Lieferwagen mit kleinen Motoren, da diese wohl einerseits ohne Führerschein gefahren werden durften und andererseits steuerfrei waren. Dementsprechend hoch war die Nachfrage nach solchen Fahrzeugen.

Der Tempo T1 war ein so genannter Vorderlader und sah aus wie ein Motorrad mit vorne angebauter Ladefläche unter der sich zwei Räder befanden. Dieses Konzept wurde auch beim hier zu sehenden grünen Tempo T6 aus dem Jahr 1930 fortgeführt, der als erstes Fahrzeug im eigenen Werk entstand.

1933 wurde das Prinzip dann umgedreht. Nun befand sich eine Fahrerkabine, in der nun auch der größte Teil der Technik untergebracht war, um dahinter verschiedene Aufbauten zu ermöglichen, vor der Pritsche oder halt dem jeweiligen Aufbau. Das angetriebene Vorderad war dabei mit dem Motor und dem Getriebe drehbar gelagert.

So wurde der Wagen der anfänglich und in der ersten Zeit nach dem Krieg noch als Tempo A 400 weitergebaut. Ab 1948 hieß der Wagen dann Tempo Hanseat und verfügte über eine rundlicher gestaltete Haube mit neuem runden Logo im Kühlergrill.

Im Laufe der Jahre gab es hier aufgrund der Konkurrenz (vor allen Dingen durch das Dreirad von Goliath, das ich wegen bisheriger Unwissenheit sehr gerne mit dem Tempo verwechselte und das über einen Heckantrieb und stärkere Motoren verfügte) diverse Verbesserungen von mehr Motorleistung bis hin zu einem Stoßdämpfer am Vorderrad.

Genutzt hat es nichts, die Ära der dreirädrigen Nutzfahrzeuge war vorbei, die vierrädrigen Lieferwagen waren schwer im Kommen. Hier konnte Tempo mit dem parallel zum Hanseat gebauten Tempo Matador und später auch mit dem Wiking ebenfalls dienen. Auch diese Lieferwagen waren in vielfältigen Versionen zu bekommen.

Auf Basis des letzten Tempo Matador entstand dann der so genannte Harburger Transporter, der nach der Übernahme von 1966 durch Hanomag als Hanomag-Henschel und später nach der Übernahme durch Mercedes auch als Mercedes-Benz-Modell erhältlich war.

Das Tempo-Dreirad wurde erstaunlicherweise noch von 1962 als Joint-Venture in Indien unter dem Namen Bajaj Tempo in Lizenz weitergebaut und das sogar noch sehr lang. Es gibt Bilder von Modellen aus dem Jahr 2000. Interessanterweise gibt es dennoch so gut wie keine Fahrzeuge auf dem hiesigen Markt. Eine Suche bei Mobile.de förderte keinen einzigen Tempo Hanseat zu Tage und vom Matador tauchten auch nur zwei Stück auf, die im benachbarten Ausland standen.

Ach so, es gab bei der Ausstellung übrigens nicht nur Fahrzeuge und Bilder zu besichtigen, sondern auch so seltene Exponate wie diese drei einzigen überlebenden Saucieren aus der Kantine der Vidal & Sohn Tempo-Werke GmbH.

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