Getestet: Citroën Berlingo Multispace XTR HDi 115

Mein Entschluss, den Citroën Berlingo mal einem Test zu unterziehen, stand bei meinem Besuch der Neuheiten-Tage bei Citroën schnell fest. Und viele wunderten sich, warum ich nicht eher einen DS3 Racing oder DS5 Hybrid gewählt hatte. Doch mit einer Familie liegt das Hauptaugenmerk auf anderen Dingen und der Berlingo überzeugte von der ersten Minute an mit vielen praktischen Details. Und so fragte ich Citroëns Verkaufsschlager an und bekam einen Citroën Berlingo Multispace XTR HDi 115 für einen zweiwöchigen Test.

Die Modellbezeichnung verrät unter anderem, dass es sich um den großen Diesel handelt. Hatte ich während der Neuheiten-Tage kurz den e-HDi 90 fahren können, war ich vom HDi 115 wesentlich überzeugter. Als Freund der zügigeren Gangart, aber auch als Familienvater, der eine vierköpfige Familie plus Hund und / oder Einkäufe durch die bergige Nordeifel transportieren darf, war ich mit dieser Version doch wesentlich besser motorisiert. 114 PS schöpft der Common-Rail-Diesel aus den 1,6 Litern Hubraum und das Drehmoment von 240 Nm reicht für alle Situation der Verkehrsalltags aus. Flott auf der Landstraße und auch auf der Autobahn kann man locker im Verkehr mitschwimmen. Im Ernstfall erreicht der Berlingo sogar eine Höchstgeschwindigkeit jenseits der Werksangabe, was aber auf Dauer weder schön, noch sparsam ist.

Wo wir gerade beim Verbrauch sind: dieser lag nach rund 850 km bei 7,2 Litern und damit natürlich auch über der „klinisch“ ermittelten Werksangabe. Doch es sei wie immer auf die besonderen Umstände hingewiesen: die erwähnt bergige Landschaft, die während eines Tests flotten Fahrten im Grenzbereich des Motors. All dies treibt den Verbrauch entsprechend hoch. In Sachen Antrieb haben mich zwei Dinge gestört. Einerseits dieser ominöse Druckpunkt im Gaspedal, der einem wie ein Kickdownpunkt vorkommt. Nur leider saß ich in einem Schaltwagen. Andererseits selbige Schaltung: sie ist arg weich und auf den ersten paar Metern war das doch sehr gewöhnungsbedürftig.

Die Kraft des Motors wird natürlich an die Vorderräder abgegeben. Umso erstaunter war ich, als ich den Drehregler der Grip Control entdeckte. So etwas kannte ich bisher nur aus einem Geländewagen. Letztendlich ist es eine Art ESP plus. Das bedeutet, dass ich nicht nur das ESP an- oder ausschalten, sondern auch noch verschiedene Modi auswählen kann – je nach vorhandenem Untergrund. Wenn es also beispielsweise schneit, kann ich dies einstellen und die Kraft wird je nach Schlupf entsprechend dosiert. Bei einen Fronttriebler war mir das neu, kannte es wie erwähnt nur aus Allradlern.

Dafür könnte man den hier gezeigten Berlingo schon fast halten, denn wer genau hinsieht, erkennt Unterschiede zum „normalen“ Berlingo. Das erklärt der andere Teil in der Modellbezeichnung. XTR ist eine neue Ausstattungsvariante für, ich zitiere „abenteuerlustige Familien“. Am auffälligsten ist das Karosseriepaket mit schwarzen Kunststoffteilen. Um den Schutzschild unterhalb des Motors zu entdecken muss man trotz der Tatsache, dass der Berlingo XTR 10 mm höher liegt, schon auf dem Boden liegen. All diese Maßnahmen sorgen sicherlich für eine zusätzliche Form der Robustheit, eine Wüstendurchquerung auf dem afrikanischen Kontinent würde ich damit trotzdem nicht wagen. Oder vielleicht doch?

Ansonsten muss ich zugeben, dass ich das Design, wenn man davon bei einem Fahrzeug dieser Klasse überhaupt sprechen darf, durchaus ansprechend finde. In der Seitenansicht wirkt er mir etwas zu gedrungen, könnte noch ein paar Zentimeter vertragen. Platz bietet er allerdings auch so schon mehr als genug. Wir hatten die Version mit fünf Sitzplätzen, wer es braucht kann den Berlingo auch mit sieben Sitzen bekommen. Wir brauchten es nicht und so freute sich auch unser Hund über das Raumangebot im Kofferraum, auch wenn es nur für ein Probesitzen fürs Fotoshooting gereicht hat. Der Kofferraum lässt sich durch das Klappen oder Herausnehmen der drei Einzelsitze übrigens individuell erweitern. Die Kinder freuten sich am meisten, denn nach dem Einstieg durch durch die seitlichen Schiebetüren blieb viel Platz für die Beine, was hinter mit nicht immer der Fall ist, wenn ich den Sitz fast nach ganz hinten schiebe, um selbst Platz zu finden.

Apropos Platz: Von Zeit zu Zeit fahren wir Autos, bei denen wir nicht wissen, wohin mit unserem Zeug. Mobiltelefone, Taschentücher und Getränke wollen wie tausend andere Kleinigkeiten verstaut werden. Die Kinder schleppen auf längeren Fahrten auch einen Haufen Kram mit und der will ebenfalls irgendwo untergebracht sein. Und da punktet der Citroën Berlingo natürlich auf ganzer Linie. Ich habe noch nie so viele Ablagen und Fächer gesehen. Es gibt auf der Fahrerseite ein verschließbares Fach oben auf dem Armaturenbrett, auf der Beifahrerseite eine offene Ablage. Darunter das normale Handschuhfach. Ablagen an der Mittelkonsole, in den Türen, Getränkehalter vorne und hinten, einen Aschenbecher, den ich als Handyhalter genutzt habe, eine riesige Ablage unterm Dach oberhalb des Armaturenbretts, eine riesige Box zwischen den vorderen Sitzen, eine Schublade unterm Fahrersitz und auch im hinteren Boden gibt es unter Klappen diverse Fächer. Auf die Spitze treiben kann man das Ganze noch, wenn man das Modutop ® als Option ordert. Dann gibt es nicht nur vier Glasdächer, sondern auch noch weitere Staufächer unterm Dachhimmel. Wer hier sein Zeug nicht unterbringt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Die praktischen Schiebetüren hatte ich ja bereits erwähnt. Je nach Ausstattung kann die Heckklappe entweder ganz geöffnet werden oder aber auch nur die Heckscheibe. Zum Thema Scheibe habe ich dann allerdings auch eine Kritik. Und zwar geht es um die Scheiben in den vorderen Türen. Wie man auf den Bildern gut erkennen kann, läuft der Rahmen nach hinten hoch – sicherlich ein Designmerkmal, über dessen Sinn oder Unsinn man streiten kann. Worüber man nicht streiten kann ist die Tatsache, dass ich nun meinen Arm nicht mehr in alter Mantafahrermanier aus dem Fenster hängen lassen kann, denn ich sitze weit hinten und somit befindet sich mein Arm im Bereich der ansteigenden Kante. Kein Weltuntergang, aber ein kleines negatives Detail.

Insgesamt finde ich den Citroën Berlingo äußerst praktisch und in der aktuellen Generation auch optisch ansprechend für ein Fahrzeug der Klasse „Hochdachkombis“. Selbst meine Frau, die früher immer gegen diese „Nutzfahrzeuge“ gewettert hat, war begeistert, ebenso die Kinder. Selbst altbackene Kleinigkeiten wie Bedienungssatelliten hinter dem Lenkrad oder der mit Schlüssel zu entriegelnde Tankdeckel konnten den positiven Eindruck nicht schmälern und so konnte sich der Berlingo in unserem Familienranking einen der vordersten Plätze sichern. Nun sind die rund 26.000 Euro, die der Testwagen kostete, sicherlich kein Pappenstiel, doch er enthielt natürlich auch ein wenig Sonderausstattung zusätzlich zur Mehrausstattung des XTR im Vergleich zum Basismodell. Und außerdem ist dies ja nur der Listenpreis, der auf dem Markt schon ein wenig unterboten wird. Für mich ist der Berlingo eine klare Kaufempfehlung und so falsch kann ich nicht liegen, nicht umsonst ist der praktische Franzose der Verkaufserfolg aus dem Hause Citroën.

Schaut ihn euch an! Auf der Internetseite von Citroën oder live beim Händler. Oder auf den weiteren Bildern hier in der folgenden Galerie.

8 Gedanken zu „Getestet: Citroën Berlingo Multispace XTR HDi 115

  • 13. September 2012 um 13:03
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    Hallo Marco!

    Der Berlingo scheint ein tolles Familienauto zu sein.
    Eine Nachbar-Familie von uns hatte den Vorgänger und war sehr überzeugt von ihrem Berlingo.

    Cool finde ich das der Kinderwagen deinen Namen trägt! 🙂

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  • 13. September 2012 um 13:29
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    Hallo Peter,
    kenne mehrere Leute, die vom Berlingo begeistert sind (meist auch vorherige Generationen).
    Und um jedweden Gerüchten vorzubeugen: der Kinderwagen wurde mir für das Foto von meinem Schwager zur Verfügung gestellt. Weder haben wir so kleinen Nachwuchs, noch lasse ich mich darin durch die Gegend fahren – so alt bin ich auch noch nicht. Das mit dem Namen ist natürlich cool.

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  • 13. September 2012 um 21:18
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    Stimmt du hast ja gar kein so ein kleines Kind mehr.

    Aber tolle Idee mit dem Kinderwagen, da sieht man richtig die Platzverhältnisse.

    🙂

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  • 19. Oktober 2012 um 09:44
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    …..aber warum gibt es nur für den 90PS Berlingo eine Automatik? Wenn es für den 115PS Berlingo mal eine gibt wird dies unser nächstes Auto!!!

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  • 26. August 2016 um 07:53
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    Also wir fahren den Vorgänger aus dem Jahr 2009 als xtr und haben damit sichtlich Spaß. Im September der letzten Jahre haben wir den stauraum für das Gepäck genutzt aber auch diverse große Teile transportiert. Je nach Fahrweise kann der große Diesel auch äußerst sparsam sein. Meine Mutter war sofort von ihm begeistert nach der Probefahrt. Früher fuhr sie einen Citroën evasion, einen recht kantigen van. Ich liebe die komfortabel gestalteten sitze wegen meines Rücken und der berlingo ist auch sehr übersichtlich.

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