Getestet: Volvo C70 D4

Eines gleich vorweg: Ich mag Volvo. Somit wird dieser Beitrag vor Subjektivität strotzen. Ich werde dennoch versuchen, möglichst sachlich über meine ErFAHRungen mit dem Volvo C70 D4 zu berichten, in der Hoffnung, dass mir dies halbwegs gelingt – vermutlich nicht. Es sei ebenfalls erwähnt, dass wir selber einen Volvo besitzen. Es ist – der ein oder andere Stammleser wird es bereits wissen – ein Volvo 850 Kombi, also für viele Menschen der Inbegriff in Sachen schwedischer Mobilität: ein eckiges, praktisches Gefährt, das eher mit Nutzwert, denn mit Design auf Käuferjagd ging. Interessanterweise beruhte die erste Generation des C70 technisch genau auf eben diesem  Volvo 850, was die „70“ im Modellnahmen auch schon verrät. Denn wie die Kenner wissen, wurde aus dem 850 später der V70.

Doch genug von den alten Autos, hin zum neuen Volvo C70, auch gerne als Volvo C70 II bezeichnet, da es die zweite seit 2006 gebaute Generation ist. Der hier getestete Wagen ist davon die nochmals überarbeitete Version, die es seit 2009 gibt, ganz einfach an den neuen Scheinwerfern zu erkennen. Im Gegensatz zur ersten Generation, die es noch wahlweise als Coupé oder Cabrio gab, vereinte Volvo dies beim neuen C70 einfach zum seit geraumer Zeit allseits beliebten Coupé-Cabrio mit Stahlklappdach. Dieses ist aufgrund der Größe des Wagens, der vier Personen bequem Platz bietet, recht aufwändig konstruiert und teilt sich beim Öffnen in drei Teile. Das ist aus Sicherheitsgründen nur im Stand bei betätigter Fußbremse möglich. Dazu gibt es nur einen zentralen Antrieb, was zwar in puncto Ausfallsicherheit ein Vorteil ist, aber in einer relativ langen Zeit zum Bedienen des Verdecks resultiert. Doch wer bei einem solchen Fahrzeug Prospekte nebeneinanderlegt, um die Zeiten für die Verdecköffnung zu vergleichen, der hat das Thema Cabriofahren meines Erachtens grundsätzlich nicht verstanden.

Mein erster Akt bei der Abholung des Volvo C70 war auf jeden Fall das Öffnen des Daches. Auf einem Parkplatz. In aller Ruhe. Gespannt schauend, was sich da so alles bewegt. Und dann ging es bei strahlendem Sonnenschein gen Heimat. Ich entschied mich bewusst für die Landstraße, obwohl ich über die Autobahn wesentlich schneller ans Ziel gekommen wäre. Doch beim Cabriofahren ist der Weg das Ziel und somit fuhr ich gemütlich meines Weges. Das der C70 auch durchaus flott sein kann, zeigt ein Blick in die technischen Daten. Es stehen drei Motoren zur Auswahl, allesamt Fünfzylinder. Der benziner ist dabei sicherlich das agilste Aggregat, schöpft aus 2,5 Litern Hubraum stolze 230 PS. Der Modellzusatz T5 verrät dem Kenner der Marke Volvo, dass es hier ordentlich zur Sache geht. Die beiden zur Wahl stehenden Diesel begnügen sich mit zwei Litern Hubraum, aus denen der „kleine“ D3 immerhin noch 150 PS, der große D4 sogar 177 PS mobilisiert. Natürlich stellt dieser letztgenannte und von mir getestete Motor mit 400 Nm auch das größte maximale Drehmoment zur Verfügung, wenn auch in einem schmaleren Drehzahlband, als es beim Benziner der Fall ist.

Mit passendem Elchschild im Hintergrund.

Mir persönlich ist es egal, der Dieselmotor scheint allen Anforderungen gewachsen, die einem auf der Landstraße so begegnen können und auch bei einer späteren Fahrt auf der Autobahn, die ich allerdings mit geschlossenem Verdeck absolvierte, ging der Volvo ordentlich vorwärts. 220 km/h Höchstgeschwindigkeit gibt Volvo an und die glaube ich einfach mal, denn ich bin zwar maximal 200 km/h gefahren, diese erreichte der C70 aber mühelos und es war noch Luft nach oben. Letztendlich muss man sich immer vor Augen führen, was man da fährt und wofür so ein Fahrzeug gedacht ist. Und so verwundert es auch niemanden, dass das Platzangebot im Kofferraum trotz gut durchdachtem Klappmechanismus des Daches natürlich her Verhalten ist und nicht zwingend für den nächsten Familienurlaub taugt. Fährt man allerdings geschlossen und klappt den „Raumteiler“ im Kofferraum hoch, ist das Gepäckabteil durchaus nutzbar.

Pfiffig fand ich die vielen kleinen Details, die man teilweise sofort, teilweise aber auch erst im Laufe des Testzeitraums entdeckt. Sofort ins Auge sprang mir der kleine durchsichtige Parkscheinhalter innen an der Frontscheibe. Diesen gab es auch schon in unserem Volvo 850 und eigentlich finde ich ihn echt praktisch, wenn er nicht auf der falschen Seite wäre. Meines Erachtens würde er auf der Beifahrerseite wesentlich mehr Sinn machen. Ebenfalls aus der Rubrik „praktisch“ ist die elektrische Sitzverstellung oben an der Lehne des Fahrersitzes, um so den Hinterbänklern den Einstieg zu erleichtern ohne sich bücken zu müssen. Ein weiteres tolles Detail, diesmal allerdings in Sachen Design, ist die Mittelkonsole, die alle Knöpfe zur Steuerung von Radio und Heizung enthält. Einerseits sieht die Anordnung der Knöpfe wie eine Fernbedienung aus, andererseits ist die ganze Konsole so schmal, dass sich dahinter Platz für ein weiteres Ablagefach ergibt.

Was mir in der Mittelkonsole gefehlt hat, waren Knöpfe zur Steuerung des Navis. Erst später entdeckte ich eher zufällig die Fernbedienung in der Ablage unter der Mittelarmlehne, noch später dann die Knöpfe an der Rückseite des übrigens sehr gut in der Hand liegenden Lenkrads. Die Stimme der Dame beziehungsweise ihre Ansagen klangen ein wenig nach Oberlehrerin. Das lässt sich heutzutage schon angenehmer lösen, wie Systeme anderer Hersteller beweisen. Letztendlich führt einen aber das Navigationssystem im Volvo zum Ziel. Zu dessen Antenne auf dem Kofferraumdeckel gibt es übrigens noch eine zweite Antenne fürs Radio auf dem rechten Kotflügel hinten. Diese darf man vor der Einfahrt in die Waschanlage nicht vergessen, sie lässt sich einfach herausdrehen. Die Waschanlage konnte dem Klappdach-Cabrio übrigens nichts anhaben, innen war alles trocken, das Dach war dicht.

Dort angekommen kann man sich nach dem Aussteigen wieder an der schönen Linienführung des Volvo C70 erfreuen, die so gar nichts mehr mit den eckigen Kästen vergangener Zeiten zu tun hat. Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, kann sich auf der Internetseite zum Volvo C70 noch genauer informieren. Dabei sollte man sich allerdings beeilen, denn nach meinem Kenntnisstand wird die Produktion des C70 nächstes Jahr, also 2013 aufgrund zu geringer Absatzzahlen und der damit verbundenen Schließung des Werks, in dem die offenen Volvos gebaut werden, eingestellt. Ich finde das sehr schade und hoffe, dass Volvo doch noch einen Nachfolger für Frischluftfans auflegen wird.

Weitere Bilder vom Volvo C70 D4 findet man auch in der folgenden Galerie:

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