Ich will auch Rennfahrer werden! Oder: Meine erste Runde im Renntaxi auf der Nordschleife

Während ich noch an meinem zwickenden Rennoverall zupfe und zerre ruft man mir aufgeregt zu „Mach dich bereit, du bist der Nächste!“ Die Haube habe ich schon auf dem Kopf, der Helm quetscht nun auch den Rest des Gesichts ein und lässt die eigene Nase überdimensional groß erscheinen. Zum Glück hat der Helm kein Visier. Dann geht alles ganz schnell. Ein roter BMW kommt an die Box, der Beifahrer steigt aus, ich stoße beim Einsteigen mit dem Helm an Tür oder Käfig und presse mein ausladendes Becken in die Vollschale. Ich werde mit professionellen Gurten wie die Ladung auf einem LKW festgezurrt und kann mich kaum noch bewegen. Bevor die Tür geschlossen und zugetaped wird, drückt man mir ein Klemmbrett und einen Stift in die Hand.

Exkurs 1:
Klemmbrett und Stift? Ja, denn ich bin auf Einladung von Reifenhersteller Falken zur VLN am Nürburgring und darf beim Training eine Runde in einem Renntaxi mitfahren. Was man uns erst vor Ort gesagt hat: Wir sollen nach der Auffahrt auf die Nordschleife den Falkenzilla nachmalen, der oben in der Ecke in klein auf dem Blatt Papier zu sehen ist. Wohlgemerkt bei voller Fahrt voraus. Die Bilder stehen online und zum Voting bereit, 8 Blogger hatten sich beteiligt. Mein „Kunstwerk“ ist dieses:

Danke an Falken Tyres für das Foto.

Doch zurück zu meiner ersten schnellen Runde auf der Nürburgring Nordschleife, die ich bisher zwar etliche Male auf der Playstation, aber erst einmal im realen Leben befahren habe, am Steuer eines Elektroautos. Nun bin ich „nur“ Beifahrer. Zur Wahl standen 3er BMW verschiedener Generationen und ich hatte mich für natürlich für einen E30 entschieden. Da der von Dolate Motorsport eingesetzte Wagen während einer anderen Taxifahrt mit Kupplungs- oder Getriebeproblemen liegenblieb, sah ich mich schon in einer modernen Variante Platz nehmen. Doch netterweise übernahm das Team Valentin Racing ein paar der Fahrten und so finde ich mich im leer geräumten Inneren eines BMW M3 wieder, in dem mir der Fahrer kurz die Hand schüttelt und seinen Namen verrät: Stephan. Dann folgt er den Anweisungen seines Teams und verlässt den Platz an der Box. Stephan fragt mich nach dem Klemmbrett und muss lachen, als ich ihm von meiner Mission erzähle. Mit erlaubten 59 km/h rollen wir auf die Boxenausfahrt zu, müssen aber meiner Unkenntnis wegen dort stoppen. Das grüne Bändchen am Handgelenk musste vorgezeigt werden, war bei mir unter den Overall gerutscht. Nach der Sichtung gab der Streckenposten unsere Abfahrt frei.

Exkurs 2:
Vor einigen Jahren interessierte ich mich schon einmal für den Motorsport und ein Bekannter meinte, ich solle als günstigen Einstieg die GLP wählen und dort als Beifahrer beginnen. Allerdings warnte er mich eindrücklich, dass die „Beifahrerei“ für die meisten Menschen nichts sei, selbst gestandene Rennfahrer hätten Probleme mit Übelkeit, wenn sie die Sitzplatzseite im Auto tauschten und nur noch Passagier wären. Dementsprechend gespannt war ich auf meine erste Runde als Beifahrer.

Die beginnt mit der Freigabe des Streckenpostens sofort. Wie von einer Kanone abgeschossen rasen wir auf die erste Kehre nach Start/Ziel zu. Noch bevor ich mir den Streckenverlauf – Gran Turismo sei Dank – vors geistige Auge holen kann, schmeißt Stephan den Boliden in die erste Kurve der Grand-Prix-Strecke. Während ich mich noch wundere, warum wir aufgrund der meiner laienhaften Einschätzung nach viel zu hohen Geschwindigkeit nicht abgeflogen sind, zerren uns die 306 PS, die der BMW aktuell leistet, wieder unter lautem Getöse nach vorne zur nächsten Kurvenkombination. Irre, was für Querbeschleunigungen in einem Rennwagen möglich sind. Und das, obwohl die Slicks nicht mehr die besten sind, wie ich später erfahre. Doch noch können sie die 296 Nm auf den Asphalt bringen. 8.900 U/min. stehen ebenfalls auf dem Papier. Da ist jeder normale PKW schon im Jenseits. Der 1.050 kg leichte M3 hingegen zieht sich wie an einer Schnur durch jede Kurve, Stephan ist jederzeit Herr der Lage. Ich vertraue ihm und dem Überrollkäfig und fange mit der Auffahrt auf die Nordschleife mit meiner Zeichnung an.

Ein Fehler, denn eine Bodenwelle auf den ersten paar Metern sorgt für einen ungewollt langen Strich auf dem Papier. Egal, ich male weiter. Zwischendurch blicke ich hoch. Wie anders alles wirkt. Gran Turismo mag den Streckenverlauf sehr schön wiedergeben, kann aber natürlich nicht die Höhenunterschiede vermitteln – beim Spiel fehlen einfach die G-Kräfte. Diese hindern mich daran, auch nur eine gewollte Linie zu zeichnen. Ein Blick nach oben, Adenauer Forst. Kennt man ja von zahlreichen Videos auf YouTube, Abflüge ohne Ende. Stephan hält den 3er BMW gekonnt auf der Strecke, die Erfahrung Kiesbett bleibt mir erspart. Als ich gerade denke ‚Mensch, sind wir schnell!‘, überholt uns ein Mercedes SLS AMG und es kommt mir vor, als würden wir stehen. Dass dem nicht so ist zeigen mir die nächsten Kurven. Dennoch muss Stephan ständig in den Rückspiegel schauen, macht artig Platz, wenn die ganz schnellen Renner aus der Klasse SP9 von hinten nahen. Das Team Valentin Racing ist in der Klasse H3 unterwegs und wird dort am Folgetag den Klassensieg einfahren.

Danke an Falken Tyres für das Foto.

Irgendwann nach Metzgesfeld bin ich mit Malen fertig und kann den Rest der Fahrt bewusst genießen. Exmühle, Bergwerk – Stephan dreht am (Lenk-)Rad, als würde er den ganzen Tag nichts anderes machen. Im Karussell fährt er oben herum. Ob er dem alten M3 nicht zu viel zumuten will oder er den Porsche, der uns nach der Ausfahrt aus dem Karussell direkt überholt, schon frühzeitig im Rückspiegel entdeckt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Wir passieren das Brünnchen, wo ich mich früher immer als Zuschauer aufhielt. Im Renntempo bleibt kaum Zeit, um die ganzen Motorsportfans an der Strecke richtig wahrzunehmen. Auf der Döttinger Höhe realisiere ich, dass gleich schon alles vorbei ist. Schade, denn ich scheine durchaus eine Tauglichkeit als Beifahrer aufzuweisen und könnte noch einige Runden dranhängen. Aber in der Boxengasse wartet bereits der nächste Fahrgast.

Wieder geht alles ganz schnell, jemand reißt die Tür auf, löst den Gurt und drängt zur Eile. Zum Abschied knalle ich nochmals mit dem Helm an den Käfig und schäle mich aus dem Schalensitz. Ich bin geflasht, könnte sofort wieder los. Stattdessen wechsle ich ein paar Worte mit Teaminhabern, Rennfahrern und Mechaniker über das tolle Erlebnis und forsche nach dem Film. Denn Stephan sagte zum Rundenende, dass er eine Aufnahme von unserer Runde hat, die mir Teammitglied Alex dann auch prompt auf einen USB-Stick zog und die ich euch nun hier präsentierten kann:

Ein tolles Erlebnis, welches mich wieder total mit dem Motorsportvirus infiziert hat. Vielen Dank an das Team Valentin Racing und natürlich an meinen „Taxifahrer“ Stephan Piepenbrink – für euch Rennalltag, für mich ganz großes Kino!

Falls ihr auch mal eine Runde im Renntaxi fahren mitfahren wollt, findet ihr Valentin Racing im Internet unter valentin-racing.de. Und auch auf Facebook ist das Team zu finden und freut sich sicherlich über den ein oder anderen neuen Fan: http://www.facebook.com/valentinracing

Hier nun noch ein paar Bilder des Teams während der Trainings- und Renntage:

6 Gedanken zu „Ich will auch Rennfahrer werden! Oder: Meine erste Runde im Renntaxi auf der Nordschleife

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