Getestet: Peugeot RCZ 165 HDi FAP

„Mach mal das Dach auf!“ rief eine Bekannte aus dem Fenster im ersten Stock ihres Hauses, während ich mich unten am Wagen mit ihrem Mann unterhielt. „Das ist kein Cabrio!“ rief ich zurück und erntete erstaunte Blicke. Wieder war jemand auf die farblich abgesetzten Dachbögen des Peugeot RCZ „hereingefallen“, hielt das Sportcoupé fälschlicherweise für ein Klappdachcabriolet. Das sollte nicht das letzte Mal sein, das so etwas passiert. In der Galerie am Ende dieses Beitrags findet man ein Vergleichsbild mit einem Peugeot 207 CC, das sehr schön verdeutlicht, warum sich so viele Menschen verschätzen.

Ich hatte den Peugeot RCZ ja bereits in diesem Beitrag angekündigt, in dem ich auch auf die Motorisierung hinwies: unter der Haube des Coupés werkelt ein Diesel. Auf den ersten Blick und aus alt hergebrachter Tradition ein absoluter Stilbruch, doch mittlerweile sind moderne Dieselmotoren in sportlichen Coupés durchaus des Öfteren anzutreffen. Der Blick auf die technischen Daten ließ auch meine anfängliche Skepsis verfliegen, die Zahlen waren beeindruckend und gerade in Sachen Drehmoment ist der Selbstzünder ja immer weit vorne. Ich muss leider zugeben, dass ich zumindest in Teilbereichen enttäuscht war. So war die laut Werksangabe bei 225 km/h liegende Höchstgeschwindigkeit in mehreren Versuchen bei besten Streckenbedingungen auf der Autobahn dennoch ein nicht zu erreichendes Ziel. Ging es bis 180 km km/h noch zügig vorwärts, war jedes weitere km/h ein scheinbar mühsamer Kampf für den flachen Franzosen.

Dafür kam auf der Landstraße ordentlicher Fahrspaß auf, das Drehmoment half dabei bei dem ein oder anderen Überholmanöver und auch aus den Serpentinen konnte der Fronttriebler schön herausbeschleunigen. Das Fahrwerk ist dabei zwar sportlich abgestimmt, bietet aber ausreichenden Restkomfort für schlechte Straßen. Insgesamt konnte mich das Coupé in der bergigen Nordeifel durchaus überzeugen. Und so bietet der Peugeot RCZ eine ungeahnte Alltagstauglichkeit, die aber in Sachen Raumangebot trotz zweier (Not-)Sitze im Fond eher für zwei Personen gedacht ist. Der Kofferraum war in Sachen Raumangebot sicherlich die größte Überraschung. Sieht man die Länge des Wagens und weiß, dass es ein 2+2-Sitzer ist, so ist die verhältnismäßig immense Größe des Heckabteils fast schon erschreckend.

Ansonsten bietet der RCZ Wohlfühlatmosphäre im Innenraum, die Verarbeitung des Leders scheint sehr gut. Einzig die Mittelkonsole war mir zu stark geneigt. Um hier die Knöpfe des Radios zu erreichen, musste ich mich vorbeugen. Natürlich kann man das Ganze auch bequem bedienen, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen. Zwar befinden sich die Knöpfe zur Steuerung diverser Funktionen nicht, wie man es aus modernen Fahrzeugen kennt, direkt am Lenkrad, dafür bekommt man aber ein Relikt der 80er und 90er Jahre zu spüren: Bedienungssatelliten. Ich persönlich mag das. Genauso wie den klassischen Handbremshebel und die Tatsache, dass man den Peugeot ganz normal mit dem Dreh des Schlüssel starten muss. Das ist so schön 1.0, wie man im Internetjargon sagen würde.

Gar nicht 1.0 hingegen ist das Design. Hier hat sich der französische Hersteller, der hierzulande vor allen Dingen Kleinwagen wie geschnitten Brot verkauft, echt was getraut. Natürlich weist er an der Front das typische Markengesicht mit dem Löwen. Aber der Rest des Coupés ist mit dem gewölbten Dach-/Heckscheibenbereich ein echter Hingucker. Selten habe ich ein so schön gestaltetes Fahrzeug aus dem aus dem Hause Peugeot gesehen. Und das bestätigen auch die vielen anerkennenden Blicke und interessierten Fragen der Passanten.


Gut gebrüllt, Löwe!?

Eher nicht, muss ich leider zugeben. So sehr ich auch vom Design und dem Innenraum überzeugt bin, will der Motor in letzter Konsequenz nicht so recht zum sportlichen Auftritt des Peugeot RCZ passen. Obenrum fehlt ihm einfach der Bums, um es mal ganz einfach auszudrücken. Und der Klang des Dieselaggregats ist für sportlich orientierte Fahrer vermutlich auch nicht der pure Hörgenuss. Dennoch halte ich den Wagen durchaus für ein gelungenes Gesamtpaket mit außerordentlicher Alltagstauglichkeit in dieser Fahrzeugklasse. Und zu einem Preis ab 29.150 Euro liegt er auch deutlich unter einem vergleichbaren Audi TT, mit dem er von der Fachpresse so gerne verglichen wird.

Wer sich weiter informieren will kann dies auf der Seite des Herstellers zum Peugeot RCZ tun, weitere Bilder findet ihr auch hier in der folgenden Galerie:

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