Getestet: Nissan 370Z Pack Coupé

„Entfesseln Sie das Biest, denn man wächst mit seinen Aufgaben.“ steht auf der ersten Seite des Prospekts zum aktuellen Nissan 370Z und genau das habe ich getan. Ich habe mich herangetastet an die Möglichkeiten und dann das Biest entfesselt. Bis dahin gab es allerdings einige Stolpersteine, doch der Reihe nach.

Nach der kurzen Fahrt im Nissan 370Z Roadster stand fest, dass ich den Z unbedingt mal über einen längeren Zeitraum erfahren möchte. In rund 30 Minuten ist es schwer ein echtes Statement über den Wagen abzugeben. Da ich den Roadster als Automatikversion mit Schaltwippen fuhr, was mir persönlich nicht so liegt, stand fest, dass ich den Wagen gerne mit manuellem Schaltgetriebe testen will. Wenn ich auf die Haarnadelkurve in den Eifeler Serpentinen zufahre, will ich in den zweiten Gang zurückschalten können und sofort, die Kraft anliegen haben, um aus der Kurve herausbeschleunigen zu können. Der zweite Tipp kam bei einer weiteren Nissan-Veranstaltung: Fahr den Wagen als Coupé! Das ist noch einmal eine ganz andere Nummer, die Geräuschkulisse ist natürlich anders als in einem Cabriolet.

So kam es dann auch: ein Nissan 370Z Coupé in der Pack-Version mit Sechs-Gang-Schaltgetriebe parkte vor unserer Tür ein. Meine ersten Meter mit dem Sportwagen hatten allerdings wenig mit der Entfesselung des Biests zu tun. Ich hoppelte durch die Landschaft wie ein kleines Häschen: zu unsanft eingekuppelt, zu ruckelige Schaltvorgänge und beim ersten Bremsen fast schon ins Lenkrad gebissen. Klar, in unserem alten Volvo Kombi ist das alles viel ausgelutschter und Welten von der Präzision im 370Z entfernt, bei dem die Bremsscheiben glaube ich schon so groß wie ein ganzes Rad unseres Volvos sind. Da griff dann der zweite Teil der ersten Satzes, dass man mit seinen Aufgaben wächst.

Ich gewöhne mich langsam an den Nissan 370Z Pack, die Bremsmanöver werden weicher und auch die Schaltvorgänge harmonischer. Besonders, nachdem ich den mit „S-Mode“ beschrifteten Knopf vorm Schalthebel gedrückt habe. Erst dachte ich „Sport-Modus? Das gibt es doch nur im Automatikauto.“ Doch bei Nissan betätigt man damit ein einzigartiges System namens Synchro Rev Control. Dieses sorgt für eine Drehzahlsynchronisation. Für Laien wie mich ist das Ganze schnell erklärt: tritt man die Kupplung, um schalten zu können, fällt normalerweise die Drehzahl ab. Kuppelt man wieder ein, passt die Drehzahl natürlich nicht und es gibt einen Ruck. Das verhindert das System durch eine Anpassung der Drehzahl. Es gibt Zwischengas und somit sind die Schaltvorgänge wesentlich weicher und der Wagen ist nicht so nervös auf der Hinterachse.

Apropos nervöse Hinterachse: der japanische Hecktriebler gilt wie sein Vorgänger als das Driftauto schlechthin, das Internet ist voll mit entsprechenden Videos. Doch ich bin weder reicher Sohn und Hobbyrennfahrer und auch einen Flugplatz gibt es hier im Ort nicht. So beschränken sich meine Drifterfahrungen auf allwinterliche Rutschpartien, die mehr oder minder kontrolliert durch die Handbremse eingeleitet werden. Diese braucht man im Nissan 370Z nicht zwingend. Schon bei meiner ersten Fahrt muss ich durch einen Kreisverkehr und merke beim Herausbeschleunigen deutlich das zuckenden Heck, welches durch das aktivierte ESP direkt abgefangen wird. Dennoch grinse ich. Ein böses Zeichen.

Die restlichen Testtage war das ESP meist deaktiviert und der Verbrauch mit etwas über 16 Litern verrät, dass der Wagen seinem Naturell entsprechend die Berge rauf und runter gescheucht wurde. Dort gelangen bergauf auch erste Drifts, die ansatzweise gekonnt wirkten. Natürlich übertrieb ich es nicht, schließlich bewegte ich mich im öffentlichen Straßenverkehr. Dennoch stand schnell fest: der Nissan 370Z ist das ultimative Spaßmobil! Das bestätigten auch eine Bekannte und Verwandte, die ich mitnahm oder auch mal eine Runde fahren ließ. Einen davon konnte der Z sogar wieder von Fahrzeugen mit Schaltgetriebe überzeugen – SRC sei Dank!

Auch waren viele erstaunt, dass unter der Haube des Nissan „nur“ ein Saugmotor arbeitet. Verständlich in Zeiten von Downsizing und Co., in denen oft kleine Motoren mit Turboladern zu Höchstleistungen animiert werden. Der 370Z verzichtet jedoch auf die Schwachstelle Turbolader. Er holt seine 328 PS aus 3,7 Litern Hubraum. Die sorgen auch für den kernigen Sound des Sechsenders, dessen Zylinder in klassischer V-Form angeordnet sind. Einige Stimmen behaupten zwar, er sei in Sachen Lautstärke etwas zahmer als der 350Z, was ich in Ermangelung an Vergleichsfahrzeugen aber weder bestätigen, noch dementieren kann. Gerade im oberen Drehzahlbereich macht die Geräuschkulisse schon etwas her und sorgt für sich drehende Köpfe bei Fußgängern.

Interessierte Passanten gibt es allerdings auch, wenn der Nissan 370Z steht. Dafür bedarf es nicht einmal einer auffälligen Lackierung, wie man sie von anderen Sportwagen kennt. Der Z ist selbst in einer unauffällig grauen Lackierung ein Hingucker. Und die bei mir anfänglich einen Schock auslösenden Sitze in Persimmon-Orange bilden eigentlich einen sehr schönen Kontrast. Letztendlich war ich natürlich traurig, als ich den Wagen wieder zurückbringen musste. Bei dieser letzten Fahrt fuhr ich übrigens über die Autobahn und muss sagen, dass der 370Z auch hier richtig gut geht, die 200er-Marke ist schnell geknackt, auch bei höheren Geschwindigkeiten wirkt der Wagen sehr agil. Mit langsamerem Tempo konnte ich dann auch direkt den Durchschnittsverbrauch senken.

Das hört sich nun alles stark nach Lobhudelei an. Es gibt aber durchaus Kritikpunkte, die man zum Nissan 370Z anbringen kann. So fand ich zwar selbst mit meinen 1,92 m Körperlänge (viel größer sollte man allerdings nicht sein) eine passende Sitzposition, hätte mir allerdings ein auch in der Längsachse verstellbares Lenkrad gewünscht, welches sich im Nissan 370Z leider nur in der Höhe verstellen lässt. Dabei wandern übrigens die Instrumente mit, deren Design ich für eher suboptimal halte. Der Wagen vermittelt von außen im Heckbereich zudem eine Tiefe, die er im Kofferraum nicht hält. Entsprechend erstaunt war ich nach dem Öffnen der Heckklappe. Gut ist, dass man sich kaum bücken braucht, um den Wagen zu Be- oder Entladen. Das übliche Golfequipment soll übrigens im 370Z Coupé Platz finden, habe ich mir sagen lassen. Als letzten Kritikpunkt möchte ich den Scheibenwischer erwähnen. Ich finde, dass er das Design am Heck stört, andere fanden ihn nicht schlecht – vermutlich aber eher aus praktischer Sicht.

Mein Fazit fällt trotz der genannten Kritik weitestgehend positiv aus. Für mich ist der Nissan 370Z Pack als Coupé und vor allen Dingen mit dem 6-Gang-Schaltgetriebe eine richtige Fahrmaschine. Sicherlich gibt es Sportwagen mit höherer Leistung (selbst bei Nissan), aber wann fährt man schon mal 300 km/h geradeaus? Hier ist der Z übrigens bei 250 km/h abgeregelt. Für kurvige Landstraßen, wie sie hier in der Eifel zu Hauf zu finden sind, scheint der Zweisitzer wie geschaffen. Da kommt der Wert der Beschleunigung (5,3 Sekunden braucht er laut Werksangabe von 0 auf 100 km/h) und das maximale Drehmoment von 363 Nm bei 5.200 U/min. schon eher zum tragen. Und der Preis ist mit 41.250 Euro für die Pack-Version in Grundausstattung ordentlich unter einem vergleichsweise motorisierten Porsche Cayman S angesiedelt, der nackt immerhin gut 20.000 Euro mehr kostet und nach dem sich aufgrund der Häufigkeit im hiesigen Straßenverkehr heutzutage kaum noch jemand umdreht. Dann würde ich doch lieber einen wesentlich exotischeren 370Z mein Eigen nennen.

Berichte zum Nissan 370Z mit 7-Gang-Automatik findet ihr bei Jan von auto-geil.de und auch bei Jens von rad-ab.com.

Weitere Bilder vom 2012er Nissan 370Z Pack Coupé:

6 Gedanken zu „Getestet: Nissan 370Z Pack Coupé

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