300 km im Opel Movano B Kastenwagen

Akribisch und mit ernstem Blick umrundet der Mitarbeiter den Wagen und klebt traurige Smilies an jede Stelle des Wagens, die durch Kratzer und Beulen beschädigt ist. Und ich bin heilfroh, dass dies die Übergabe bei Abholung und nicht bei Rückgabe ist. Somit stammen die Kratzer nicht aus meiner Tour und ich bin fein raus. In Anbetracht von 1.500 Euro Selbstbeteiligung bin ich allerdings sehr darauf bedacht, dass dies so bleibt. Auch wenn ich nicht zahlen müsste, da ich nicht Mieter, sondern nur eingetragener Fahrer bin.

Aufgrund meines Bauchansatzes scheint mich der Mitarbeiter dem Klischee nach für einen Berufskraftfahrer zu halten und so fällt die Einweisung entsprechend kurz aus: „Da sind die Schlüssel, der Tank ist voll, so hätten wir ihn auch gerne wieder. Viel Spaß beim Umzug.“ Ich entere den Opel Movano B, der in verschiedenen Größen zu bekommen ist. Da dieser in der Vermietung als XL angeboten wird, handelt es sich um einen L3H2. Was sich anhört wie der neue Kumpel von R2-D2 umschreibt eigentlich nur die Größe. Es ist die drittlängste und zweithöchste Version des aktuellen Opel Movano. Die Angaben reichen in Sachen Länge von L1 bis L4 und in Sachen Höhe von H1 bis H3.

Im konkreten Fall bedeutet dies für „meinen“ Opel Movano L3 H2 eine Gesamtlänge von fast 6,20 m (6.1980 mm um genau zu sein) und eine Höhe von gut 2,49 m. Hinzu kommt eine Breite über die Außenspiegel von 2,47 m und ich muss zugeben, dass ich erst einmal von der Größe beeindruckt bin, als ich vor dem „riesigen“ Kastenwagen stehe. Wen man nicht bei einem Transportunternehmen arbeitet und täglich mit Sprinter und Co. unterwegs ist, hat man sicherlich Respekt vor einem Fahrzeug mit diesen Abmessungen. Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht schon 7,5-Tonner mit Ladebordwand gefahren, aber halt nicht andauernd, sondern nur alle Jahre wieder, wenn halt mal ein Umzug stattfand und ein Inhaber des alten Führerscheins gebraucht wurde.

Ich steige in den Movano und starre auf die übliche Plastiklandschaft, die in Ermangelung von im PKW zu Hauf zu findenden Schaltern mehr als übersichtlich ist. In der Mitte des Armaturenbretts steckt ein CD-Radio mit wenigen Knöpfen, darunter gibt es nur drei Regler für die Heizung / manuelle Klimaanlage, die sich drehen und drücken lassen. Der Rest des Armaturenbretts besteht aus Ablagen in verschiedenen Größen und Formen. Hinter dem Lenkrad gibt es neben den beiden üblichen Hebeln noch einen Satelliten zur Fernbedienung des Radios und das war es auch schon. Was es leider nicht gibt, ist ein Tempomat, den ich auf der holländischen Autobahn schmerzlich vermisst habe. Diesen kann man, wenn man einen Movano kauft, aber optional bekommen. Ebenso wie einen Parkpilot oder gar eine Rückfahrkamera, die ich aber zum Glück nicht brauchte, denn es gab in der Trennwand eine Scheibe und auch die Heckscheiben waren nicht zugeklebt.

Gefahren hat sicher Opel Movano B eigentlich wie ein normaler PKW. Ich hatte alte Lieferwagen-Allüren erwartet, aber der Dieselmotor mit 2,3 Litern Hubraum und 146 PS ließ sich ganz normal und fast schon sportlich bewegen – zumindest so lange der Laderaum leer war. Allerdings tänzelte der Wagen dann im Bereich der einzelbereiften Hinterachse etwas. Bis auf die Tatsache, dass der Wagen an einer Tür warum auch immer merkwürdige Windgeräusche bei Überschreiten einer gewissen Geschwindigkeit machte, verlief die Fahrt im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos, so dass keine weiteren traurigen Smilies hinzukamen. Einzig einen bevorstehenden Ölwechsel zeigte der Movano auf der Rückfahrt an. Der Verbrauch hielt sich in Grenzen, was sicherlich auch der gleichbleibenden Geschwindigkeit auf der Autobahn bei unseren Freunden im Nachbarland zu verdanken ist. Insgesamt also scheinbar eine durchaus interessante Alternative zum Platzhirsch aus Süddeutschland.

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