Kurze Fahrt im Toyota GT86

Da stand er also vor mir, der Wagen, den es erst im September 2012 geben wird. Live und in Farbe. Wobei der Wagen weiß war und das ja bekanntlich keine Farbe ist. Die Rede ist vom Toyota GT86, zu dem ich vor Kurzem noch etwas zum Thema „wenig Leistung / hohe Erwartungen“ geschrieben hatte. Das waren aber nur Mutmaßungen basierend auf den Erfahrungen mit einem Toyota MR-2 Mitte der 90er Jahre. Ich brach eine Lanze für den neuen GT86 und verwies darauf, dass es sich nur um eine Sportcoupé und nicht um einen klassischen Sportwagen handelt. Und das es beim Fahrspaß nicht nur auf die Leistung, sondern auch auf viele weitere Faktoren ankommt.

Heute konnte ich den Toyota GT86 dann mal ein paar Kilometer über eine kurvige Landstraße scheuchen. Die Möglichkeit ergab sich, da es einen Pressetermin in der Nähe (am Nürburgring) gab, zu dem ich zwar nicht eingeladen war, aber dafür Jens von Rad-ab.com, der bei seinem Weg durch Eifel netterweise mal hier einen Zwischenstopp einlegte. Mit an Bord war auch Thomas vom greenmotorsblog.de – einer meiner Mitbewerber im „Kampf um den Nissan Leaf„.

Der erste Eindruck war gar kein schlechter, auch wenn mir das Design des Heckspoilers etwas zu eigenwillig wirkte. Die riesigen Auspuffendrohre, die als Kontrast zum schwarzen Diffusor direkt auffielen, ließen ein geräuschvolles Vorankommen vermuten. Ein kurzer Blick unter die Haube ermöglichte den Blick auf den Boxermotor, über den im Internet so viel diskutiert wird. Die meisten Menschen scheinen mehr Leistung als „nur“ 200 PS erwartet zu haben. Immerhin hat der Toyota GT86 Heckantrieb, sollte also ein wahrer Spaßgarant sein.

Im sportlichen Interieur Platz genommen fällt sofort auf, dass es nicht nur Heckantrieb, sondern auch eine konventionelle Handbremse gibt, was den Spaßfaktor nochmals erhöhen dürfte. Ebenfalls ins Auge springt die Digitaluhr, die schon vor 30 Jahren in japanischen Autos zu finden war und die auch schon damals keine 24 Stunden anzeigen konnte. Es war also 2:38 Uhr. Ebenfalls amüsant: die Türablage hat eine rundlichere Aussparung für Getränke. Dort findet sich ein Symbol, dass dort nur Flaschen, aber keine offenen Becher hingehören. Fehlen nur noch Pfeile nach rechts und links am Lenkrad, damit ich weiß, wofür das runde Ding gut ist.

Jens hat sie gefunden: Die Kurbel zum Anlassen des Motors. 😉

Mein erster Startversuch scheitert – und das ist auch gut so. Auch wenn ich anfangs nicht weiß warum. Zwar wird das Cockpit beim Drücken des Startknopfes schön bunt, aber der Boxermotor gibt keinen Mucks von sich. Tja, Fuß auf die Bremse reicht halt nicht, ist ja schließlich ein Wagen mit Schaltgetriebe. Also den im Nissan Leaf in Rente gesandten linken Fuß wieder in Dienst und auf das Kupplungspedal gestellt. Ein erneuter Druck auf den Startknopf und der GT86 erwacht zum Leben. Das erwähnte Schaltgetriebe überzeugt direkt mit kurzen Schaltwegen, was zumindest mir zu gefallen weiß, war ich dies doch schon vom MR-2 gewohnt.

„Er war stets bemüht.“

Nachdem ich rückwärts aus der Einfahrt gerollt bin, lege ich den ersten Gang ein und gebe Gas. Es passiert allerdings erst einmal nicht so viel wie erwartet. Auch ist der Wagen trotz der beiden „Ofenrohre“ am Heck verhältnismäßig leise. Erst als ich auf der Landstraße über 4.500 Umdrehungen gehe, wird es einerseits lauter (und der Sound ist dann echt gut) und andererseits tut sich nun auch merklich etwas in Sachen Vorschub. Bis man bei 7.500 U/min. am roten Bereich angelangt ist und durch eine rote Leuchte zum Schalten ermahnt wird. Macht einen Drehzahlbereich von 3.000 Umdrehungen, in dem sich alles abspielt, will man den Toyota GT86 sportlich bewegen.

Trotz meiner Körperlänge sitze ich im 2+2-Sitzer erstaunlich gut, wobei auf dem Notsitz hinter mir mangels Fußraum niemand mehr Sitzen kann. Obwohl ich gut sitze, will sich auf der kurzen Testfahrt kein Wohlgefühl einstellen. Der GT86 liegt nicht so satt wie erwartet auf der Straße, wirkt leicht nervös, wobei er sich trotz deaktiviertem ESP dennoch sehr gutmütig verhält. Hier aber nach einer so kurzen Fahrt von nur rund 10 Minuten ein endgültiges Statement abzugeben, wäre sicherlich vermessen. Eventuell ergibt sich hier auch mal für mich die Möglichkeit eines längeren Tests. Dann kann ich sicher mehr sagen.

3 Gedanken zu „Kurze Fahrt im Toyota GT86

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