Wenn ich groß bin, werde ich Autoblogger!

„Mensch, toll, Du fliegst nach Nizza!“, „Sie haben immer so tolle Autos vor der Tür!“ und „Das bisschen Schreiben ist doch schnell gemacht!“ sind nur drei Aussagen mit Beispielcharakter, wie ich sie in letzter Zeit dank Motor-inside.com oder vorher auch Rad-ab.com häufiger zu hören bekomme – gerne von jüngeren Menschen in der Berufsfindungsphase. Ergänzt mit Fragen wie „Ist es schwer eine Internetseite ins Netz zu stellen?“ oder „Reicht auch eine Facebook-Gruppe?“ Am besten gefiel mir aber bisher die Frage: „Ist es schwer, an die ganzen coolen Testwagen zu kommen?“ Nein, dass ist total „easy“, um es mal mit den Worten der Jugend auszudrücken.

Ich rufe bei Lamborghini an, frage nach einem Aventador. Da dieser nicht in der von mir gewünschten Farbe vorhanden ist, die ich für meine Fotografien aber bevorzugen würde, baut Lamborghini schnell noch den Wagen in der gewünschten Konfiguration. Damit mir in der Wartezeit zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fällt, lädt mich Lamborghini ein und ich verbringe eine schöne Zeit in Italien, wo ich zwischen Rennstrecke und Hotelpool hin und her pendle. Als „mein“ Lamborghini endlich fertiggestellt ist, kann ich diesen natürlich auf unbestimmte Zeit mit nach Hause nehmen und dort ausgiebig testen, schließlich hat mir Lamborghini eine weltweit bei allen Tankstellen gültige Tankkarte mitgegeben. Und einen Beutel mit Bargeld, um die ganzen Knöllchen für zu schnelles Fahren direkt vor Ort bezahlen zu können. Für meinen wohlwollenden Beitrag zum Fahrzeug entlohnt mich Lamborghini fürstlich und auch die Werbeeinnahmen, die ich mit meinem Autoblog generiere, sorgen dafür, dass ich den Lamborghini gleich behalte, schließlich kann ich es mir ja leisten.

Das scheint, etwas überspitzt dargestellt, das Leben eines Autobloggers in den Augen mancher, meist junger Mitmenschen zu sein. Dass die Realität leider anders aussieht, verstehen sie dann nicht. Nicht, dass ich mich beschweren wollte, schließlich war ich tatsächlich in Nizza. Gut 10 Minuten am Flughafen und weitere 10 Minuten im Auto, das mich vom Flughafen zum Hotel außerhalb Nizzas fuhr. 20 Minuten in Nizza, in denen ich nur den Flughafen und die aus dem Ort führende Hauptstraße samt Randbebauung gesehen habe. Am nächsten Morgen musste ich um 5.30 Uhr aufstehen, um dann in einem Kompaktfahrzeug eine mir unbekannte Strecke mit einer Gesamtlänge von über 500 Kilometern zu absolvieren.

Wie gesagt, ich beschwere mich nicht, möchte aber den „Autobloggern in spe“ einfach mal vor Augen führen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt, wie man früher zu sagen pflegte. Man bekommt nicht einfach Fahrzeuge, nur weil man mal anfragt. Und es gibt auch nur selten die tollen Supersportwagen und Cabriolets, je nach Ausrichtung des eigenen Blogs darf man auch erst mal den Kleinwagen des jeweiligen Herstellers fahren. Und das ist auch gut so. Schließlich kann man mit denen auch eine Menge Spaß haben – wenn man das Testszenario entsprechend anpasst. Und auch hier muss auch hier ein brauchbarer Artikel abgeliefert werden. Und das bedenken viele der zukünftigen Möchtegern-Berufsautoblogger einfach nicht. Dennoch wünsche viel Erfolg bei der Berufswahl!

5 Gedanken zu „Wenn ich groß bin, werde ich Autoblogger!

  • 19. Juni 2012 um 11:25
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    Herrlich diese Ironie,
    könnte man nur mit anderen Wörtern auch auf Modeblogger übernehmen! 🙂

    Antwort
    • 19. Juni 2012 um 16:27
      Permalink

      Ach, ist das so? Ich dachte immer, dass wäre alles ganz „easy“ in der Modewelt …

      Antwort
  • 19. Juni 2012 um 11:36
    Permalink

    Wirklich toll ironisch!
    Was man vielleicht noch einwerfen sollte ist, dass sich durchs Bloggen alleine vielleicht tolle Autos fahren lassen, aber noch lange kein Geld in die Kassen kommt. Hier muss man erstmal seine Artikel verkaufen oder gegen Provision bloggen. Ist alles nicht so leicht…

    Antwort
    • 19. Juni 2012 um 16:28
      Permalink

      So ins Detail wollte ich gar nicht gehen, bin ja kein Unternehmensberater. 😉

      Antwort
  • Pingback: Deutscher Auto Blogger Digest vom 19.06.2012 › "Auto .. geil"

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