Mein erster und bisher einziger Flug am Steuer einer Einmotorigen

„Übernimm Du mal das Steuer, ich will auch ein paar Bilder machen!“ sagte mein damaliger Chef, Inhaber einer Privatpilotenlizenz (PPL), als wir über Aachen kreisten, um einige unserer Objekte von oben zu fotografieren. Meine Flugerfahrungen bis dahin: wilde Flugmanöver im Microsoft Flight Simulator 98 am heimischen PC.

Schon als Kind war ich von der Fliegerei begeistert, besuchte einige Flugausstellungen und Flughäfen mit meinen Eltern, las Bücher über Jungs, die Fliegen lernten und spielte neben den obligatorischen Matchboxautos auch mit kleinen Flugzeugen. Als Schüler stieg ich zusammen mit einem Kumpel dank Ferienticket in Aachen in den Bus und fuhr zur Nato-Airbase nach Geilenkirchen, wo die AWACS-Flieger stationiert sind und freute mich wie Bolle, wenn nach gefühlten Stunden mal eine der riesigen Maschinen des Typs Boeing mit ihren charakteristischen „Salatschüsseln“ auf dem Dach auftauchten, um hinter dem Zaun zu starten oder zu landen. Später als mobiler Mensch mit eigenem Gefährt wurde dann des Öfteren der in Würselen bei Aachen liegende Flugplatz Merzbrück frequentiert, um dort die einmotorigen Maschinen zu beobachten. Und ich begann mich für einen Flugschein zu interessieren. Ein Vorhaben, dass aber durch die nicht unerheblichen Kosten schnell wieder auf Eis gelegt wurde. Abgesehen von ein paar Linienflügen als Passagier war es das mit der Fliegerei bis zum eingangs erwähnten Szenario.

Dessen Entstehung ist schnell erzählt: Ich arbeitete in einer Immobilienfirma und mein damaliger Chef war der Meinung, das von oben fotografierte Häuser ein toller Effekt für die Exposés sein würden. Außerdem brauchte er die Flugstunden zum Erhalt seines Scheins. Das zeigt leider, dass er nicht häufig zum Fliegen kam und lässt eine gewisse Ungeübtheit erwarten – und das zu Recht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich über die Tragflächen einstieg und es hinter uns noch zwei Sitze gab. Das legt die Vermutung nah, dass es sich bei „unserem“ Flugzeug um eine Piper PA-28 handelte. Mit großer Wahrscheinlichkeit war es sogar die hier auf dem Foto gezeigte Piper PA-28 Archer II mit der Kennung D-EVIB.

Kaum auf dem „Beifliegersitz“ der Einmotorigen Platz genommen, fällt mir sofort der rote Knopf am Steuer auf. Durch amerikanische Fernsehserien versaut frage ich nach, ob wir auch genügend Raketen an Bord haben, was lachend mit der Information abgetan wird, dass man damit den Funk steuert. Kommuniziert man sonst nur intern über die beiden Headsets, kann man durch Drücken des Knöpfchens nach „draußen“ sprechen. Das erfolgt dann auch prompt, um die Flugfreigabe beim Tower einzuholen. Wir rollen zur Start- und Landbahn, warten noch einen landenden Flieger ab und stellen uns auf. Dann geht es los und nur kurze Zeit später kreisen wir über Aachen. Ich kann mich kaum orientieren, laufe oder fahre sonst durch die Straßen, die ich nun von oben sehe. Markante und vor allen Dingen große Gebäude helfen bei der Orientierung und ich beginne damit, irgendwelche Häuser zu fotografieren. Bis zum ersten Satz dieses Beitrags.

„Übernimm Du mal das Steuer!“ ist jetzt nicht so der Satz, den mal als Passagier erwartet. Beide Hände greifen nach dem Steuer und halten es einfach nur ruhig. Der Blick wandert zwischen den teilweise aus dem Flugsimulator bekannten Instrumenten und der Frontscheibe hin und her. Mein Chef erzählt etwas von „künstlicher Horizont“ und „gerade halten“ und fängt an zu fotografieren. Als ich so richtig begeistert bin, dass ich, wenn auch nur geradeaus, ein Flugzeug steuere, kommt das nächste Kommando „Flieg mal eine Rechtskurve!“ Etwas erschrocken über das plötzliche Auftauchen der neuen Herausforderung mache das, was ich mit dem Lenkrad im Auto auch mache: nach rechts drehen. Die Grundidee ist auch nicht schlecht, nur leider sinkt das Flugzeug nun auch, wenn auch nicht ganz so schnell wie ein japanischer Kamikazebomber beim Angriff auf irgendwelche schwimmenden Ziele. „Leicht zurückziehen während du lenkst!“ lautet die nächste Ansage von links. Ich tue wie mir befohlen und fliege eine halbwegs brauchbare Kurve.

Als ich wieder geradeaus fliegen soll, klappt dies ganz gut. Mein Chef, vom Fotografieren ganz abgelenkt, bekommt nicht mit, dass ich nach dem Ausrichten der Maschine direkt auf einen Heißluftballon zusteuere. Meine Frage nach den Vorfahrtsregeln im Luftverkehr wird mit „Du musst ausweiche, er kann ja nicht.“ beantwortet. Also fliege ich erneut eine Kurve und das diesmal sogar ohne den Sturzflug einzuleiten. Dann übernimmt Cheffe wieder, denn es geht an die Landung und die will er natürlich selbst durchführen. Im Nachhinein betrachtet bin ich mir nicht sicher, ob das so eine gute Wahl war. Denn kaum das Räder nach einem unruhigen Landeanflug den Boden berühren und mein Chef beginnt zu bremsen, wird es laut im Funk, ich höre etwas von „BAHN RÄUMEN!“ und dann „Ich starte durch!“ Kurz darauf fliegt eine weitere Einmotorige über uns hinweg und ich konnte genau die Profiltiefe der Reifen erkennen.

Es war auf jeden Fall cool und sollte jemals die Crew einer Boeing wie in Hollywoodfilmen üblich ohnmächtig werden, würde ich … ach nee, besser nicht.

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