Dodge Nitro – ein Ami in Europa

In letzter Zeit begegnen uns häufiger kleine, amerikanisch aussehende SUV des Typs Dodge Nitro und unser Sohn scheint die irgendwie cool zu finden. Und ich muss zugeben, dass ich anno 2008, als das Modell hierzulande noch recht frisch auf dem Markt war und ich die Gelegenheit bekam, einen zu fahren, auch noch sehr gespannt war. Als Freund amerikanischer Fahrzeuge, die jedoch meist älteren Baujahres sind, war meine Erwartungshaltung an das Produkt aus dem damaligen Hause DaimlerChrysler aber scheinbar zu hoch.

Groß und eckig stand er da, der Dodge Nitro SXT 2.8 CRD 4×4 mit 5-Gang-Automatik. Mit seinem verchromten Kühlergrill fiel er direkt auf, ähnlich wie ein Hummer – typisch amerikanisches Design eben. Die schwülstigen Anbauteile wie Stoßstangen und Verbreiterungen an den Radläufen wirkten wie zusätzlich dran geschraubt und erschwerten die Größenabschätzung – immerhin waren sie in Wagenfarbe lackiert. Nicht so die weiteren von außen ersichtlichen Teile wie Außenspiegel und Türgriffe, die im typischen Plastikschwarz zum Einsatz kamen. Immerhin gab es am Heck eine Einparkhilfe, deren Sensoren – warum auch immer – ebenfalls nicht in Wagenfarbe lackiert waren. Vorne fehlte sie, obwohl der Nitro dort nicht viel übersichtlicher war.

Wenn man herausgefunden hatte, dass man zum Öffnen der Türe einen Knopf in den klobigen Türgriffen drücken muss, gelangte man in den Innenraum und war überrascht, dass der Armaturenträger kaum Tiefe aufwies, kurz nach der Frontscheibe steil abfiel. Dies vermittelte in Kombination mit dem reichhaltig verwendeten Kunststoff mit Billiglook nicht wirklich ein Gefühl der Sicherheit. „Highlights“ im negativen Sinne sind waren sicherlich die Ablage links vom Lenkrad, bei deren Öffnung man Angst hat, das halbe Armaturenbrett auseinander zu reißen, sowie das eingelegte Fach unter der Mittelarmlehne, das fast so dünn wie eine Klarsichtfolie war.

Die Bestuhlung erinnerte stark an die ursprünglichen Militär-Jeeps, die im Koreakrieg eingesetzt wurden. Das Ganze war relativ konturlos, was gerade bei der Rücksitzbank extrem auffiel. Dementsprechend wenig Seitenhalt boten die Sitze, was dem schaukligen Fahrverhalten des Wagens nicht gerade zuträglich war.

Der Bildschirm zur Steuerung von Musik und Navigation wies zwar eine angenehme Größe auf, die Bedienung des Touchscreens während der Fahrt (z. B. wenn man den Kartenmaßstab ändern möchte) glich aber mehr einem Lotteriespiel. Zu häufig drückte man auf die falsche Stelle, wurde aufgrund der Position viel zu sehr vom Verkehr abgelenkt. Das Handschuhfach wurde seinem Namen übrigens gerecht, es ging kaum mehr rein.

Der Dieselmotor, der immerhin fast 2,8 Liter aus nur vier Zylindern schöpfte, war unheimlich laut. Die Amis schienen hier die Dämmung komplett vergessen zu haben. Schlimmer wurde das Ganze noch bei folgendem Szenario: Beim Befahren der Landstraße wollte man überholen. Demnach beförderte man das Gaspedal zügig Richtung Bodenblech. Die veraltete 5-Gang-Automatik dachte kurz nach, entschloss sich einen Gang runter zu schalten. Die Drehzahl schnellte hoch, der Geräuschpegel wurde hochfrequenter und suggerierte, dass man nun wahnsinnig beschleunigt. Doch leider machte der Dodge Nitro genau das nicht. Auf gut deutsch: viel Lärm um nichts! Ist der Untergrund dann auch noch feucht, verlieren die Räder schnell die Haftung und in Kehren (Serpentinen) versetzt das Heck dann schon mal ein wenig. Insgesamt wirkte das Fahrverhalten eher unsicher und es mochte keinerlei Freude mit dem Fahrzeug aufkommen.

Ich ging damals schon davon aus, dass der Dodge Nitro – wie viele andere auf dem europäischen Markt erhältliche US-Fahrzeuge – hier in Deutschland kaum Abnehmer finden wird. In dieser Preisklasse gab es sicherlich wesentlich vernünftigere Fahrzeuge. Immerhin hatte der Nitro damals wenigstens noch den Effekt eines Hinguckers. Der ist mittlerweile auch weniger geworden. Wer den bis letztes Jahr gebauten Wagen dennoch toll findet bekommt ihn gebraucht für gut die Hälfte vom Neupreis, mit viel Glück sogar schon für ein Drittel. Und auch noch nicht zugelassene Neuwagen aus dem letzten Jahr sind noch für rund 30.000 Euro zu bekommen. Wem’s gefällt …

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